Beitrags-Archiv für die Kategory 'Allgemein'

Ausgabe Nr. 68

Dienstag, 19. August 2008 8:20

Womit füllen die Gazetten das Sommerloch auf? Der Berliner Zoo wartet mit einer neuen Attraktion auf. Nach dem Eisbären Knut ist es nun der Ameisenbär Adolpho, der die Herzen des Publikums bewegen und die Kasse klingeln lassen soll. Mehr im Klingelbeutel will auch Wolfgang Huber haben, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, und kündigte allen Ernstes die Gründung von „Kompetenzzentren für Predigtkultur und Gottesdienstqualität“ an. Vielleicht kommen in diesem „Kompetenzzentrum“ die Kirchenmarketing-Spezialisten dort demnächst auf die durchgeknallte Idee, sich einen Ameisenbär als Kirchenmaskottchen anzuschaffen. Die katholische Konkurrenz ist da marketingmäßig schon etwas näher an den Bedürfnissen ihrer Schäfchen. Der notorisch sittenstrenge Kölner Kardinal Meisner biedert sich nämlich bei den Grünen und ihrer Klientel an mit dem Argument, Keuschheit zu üben diene dem Umweltschutz. Ökologie! Da spürt man doch den Puls der Zeit, das ist „angesagt“, dachte man sich im „Kompetenzzentrum“ des Erzbistums Köln. Meisner daher also wörtlich: „Jemand, der die Keuschheit nicht bewahren kann oder der überhaupt sein leibliches und seelisches Leben, also seinen eigenen Mikrokosmos, nicht in Ordnung halten kann – wie will der denn etwas zur Bewahrung des Makrokosmos tun?“ Nun kommt der Kardinal bekanntlich aus dem Osten und mit seinen Auffassungen im Rheinland nicht überall an. Für die eher sinnenfrohen rheinischen Katholiken muss daher als Sympathieträger gleichzeitig der Kölner Prälat Johannes Basgen ins Feld geführt werden, ein passionierter Zigarrenraucher, der mit nicht minder deutlichen Worten gegen das Nichtrauchergesetz und gegen die staatliche Regulierungswut polemisiert: „Demnächst verbieten sie uns auch noch den Weihrauch im Kölner Dom“. Das wäre sicher gut für die Umwelt, d.h. für den Makrokosmus im Meisner’schen Sinne, aber weil es bei den Protestanten eben an Weihrauch mangelt, müssen sie in ihrem „Kompetenzzentrum für Gottesdienstqualität“ darüber nachgrübeln, ob nicht vielleicht gerade wegen eben dieses Weihrauchmangels ihnen die Gottesdienstbesucher wegbleiben. Wahrscheinlich kommen sie dann zu dem Ergebnis, dass anstatt der Anschaffung eines Ameisenbärs als Kirchenmaskottchen der Erwerb eines Weihrauchschwenkers sinnvoller wäre.

Bedingt nützliche Nachhilfe in Geografie bot Uli Hoeneß, der Manager des FC Bayern München. Als nämlich der Spieler Lukas Podolski verlauten ließ, er fühle sich in München nicht wohl und sehne sich zurück nach seiner Heimat in Köln, da konterte Hoeneß, München läge ja nicht auf den Samoa Islands, sondern sei eine „mitteleuropäische Weltstadt“, in der man genauso gut leben könne wie in Köln. Wenn Uli Hoeneß sich da mal nicht irrt. Wahrscheinlich weiß er nicht, dass die Kölner Volksschauspielerin Trude Herr es vorgezogen hatte, ihre letzten Lebensjahre auf den Fidschi-Inseln zu verbringen (die liegen auf dem Google-Satellitenbild gleich neben Samoa), und eben nicht in München, dieser angeblichen „mitteleuropäische Weltstadt“, wie man sie aus den betulichen ZDF-Krimis kennt, wo sich zumeist gruselige Greise in vornehmen Villenvierteln wie München-Bogenhausen tummeln. Ergo: als Kölner zieht man dann doch lieber in die Südsee. Außerdem liegt München auf dem Google-Satellitenbild rechts vom Rhein, d.h. aus Kölner Sicht auf der „Schäl Sick“, der schielenden Seite, auf der die Bajuwaren bekanntlich noch in feuchten Felshöhlen hockten, als man in Köln vor 2000 Jahren schon eine römische Fußbodenheizung kannte.

Bliebe noch der Tankstellenräuber Daniel A. zu erwähnen, der sich in falsch verstandener Noblesse immer von einem Chauffeur namens Heinz-Josef. L. zu seinen Tatorten vorfahren ließ und dort wegen seiner ausgesuchten Höflichkeit auffiel. Er soll nämlich immer „bitte“ gesagt haben, als er den Inhalt der Kasse begehrte. Er sei „aus gutem Hause“ und im Moment nur etwas klamm, gab Daniel A. in der Gerichtsverhandlung über seine guten Manieren und den Grund seiner Raubzüge zu Protokoll. Sein Chauffeur Heinz-Josef L. fiel im Gerichtssaal aus allen Wolken, als er wegen Beihilfe verknackt werden sollte. „Ich wusste doch nicht, dass das strafbar ist“, verteidigte er sich, blitzte damit allerdings aber beim Richter ab: „Sie sind wohl um keine Ausrede verlegen!“

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Bild des Monats

Freitag, 1. August 2008 8:20

“Herr Bär, was soll das denn? Dieses Bild heißt ‘Bei Lichte besehen’. Wieso nennen Sie es nicht einfach ‘Frau mit Hund’?

Bär: “Enä, dat wör jo en saublöde Idee. Man sieht doch, wat da drauf is. Dat muss dä Titel doch nit auch noch beschreiben. Nachher meinen die Leute noch, ich würde sie für doof halten, dat die nit erkennen können, dat dat ne Frau mit nem Hungk is…”

“Und was soll der Titel nun ausdrücken?”

Bär: “Dat Zufallsprinzip. Ich schreibe die Titel auf, wie sie mir gerade einfallen, und anschließend male ich dat Bild, und dat kritt dann den ersten Titel vepasst, den ich auf meiner Liste notiert habe. Dat nächste Bild zum Beispiel wird ‘Der Held der Stunde heißen’, un ich weiß jetzt noch janit, wat da drauf sein wird.”

“In unserem Zeitalter der Diskurs-Kunst haben Sie dafür bestimmt auch eine konzeptuelle Begründung?”

Bär: “Ja, klar, sowat musste heute als Künstler unbedingt mitliefern…. Der symbolistische Dichter Stephane Mallarmé hat mal jesacht: ‘Niemals wird ein Würfelwurf den Zufall abschaffen.’

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Ausgabe Nr. 67

Dienstag, 22. Juli 2008 8:40

Bärs Bestatterkritik Der neue Trend: Die Beerdigungsunternehmer werden wieder seriös. Vorreiter einer Abkehr von der Trauerfeier als Teil der Event-Kultur ist Christoph Kuckelkorn, der neuerdings bei der Gestaltung seines Schaufensters auf karnevalesk anmutende künstlerische Verstiegenheiten verzichtet und nur noch ernsthafte fotografische Porträts von sich mit informativen Texten über den Umfang seines Serviceangebots ausstellt. Lediglich eine winzige Ecke ist noch für einen Künstler reserviert, der hier den Entwurf seines „Jackenengels“ präsentiert – das ist ein Engel, der eine aparte hellblaue Jacke trägt. Ein Begleittext verrät, welche spirituelle und sentimentale Bedeutung der Künstler der Jacke beimisst. Der Bestatter-Konkurrent Pütz-Roth hat derweil den Bildhauer Lutz Fritsch zum „Jahreskünstler 2008“ seines Instituts ausgerufen, und der ist wiederum für die streng durchdachte Konzeptualität seines Werks bekannt und käme nie auf die Idee, einem Engel eine Jacke anzuziehen. Wozu auch? Herr Bär sieht das Ganze weniger spirituell, sondern praktisch: Das Leichenhemd reicht als Bekleidung für die Einäscherung völlig aus. Und als Engel friert man sowieso nicht.

Es behaupte niemand, mit der Deutschen Bahn zu fahren sei langweilig. Wer von Köln nach Aachen fährt, der bekommt nämlich unterwegs eine Denksportaufgabe gestellt. Warum heißt der Bahnhof von Eschweiler „Eschweiler Hbf“, obwohl Eschweiler nur einen einzigen Bahnhof hat?
An einer Straßenkreuzung in Köln-Ehrenfeld gibt es schon seit geraumer Zeit drei türkische Döner-Restaurants, und mit einer gewissen unternehmerischen Risikobereitschaft hat dort einer kürzlich noch einen vierten Döner-Imbiss aufgemacht. Direkt daneben residiert auch noch ein „Asia Snack“, und wer die örtlichen Besitzverhältnisse nicht kennt, der ist einigermaßen erstaunt, mit welch scheinbar rabiaten Methoden der „Asia-Snack“-Betreiber Kunden anzulocken versucht, indem er nämlich seine Speisekarte einfach beim Türken nebenan an den Eingang klebt. Wer also den Döner-Grill betritt, der liest an der Wand neben der Tür „Reis mit Hühnerfleisch und Sojasprossen“ nebst einer Aufzählung weiterer Gerichte, die unzweifelhaft nicht der türkischen, sondern der chinesischen Küche entstammen. Ob es bei ihm außer Döner, Sis Kebap und türkischer Lahmacun-Pizza tatsächlich auch Reis mit Hühnerfleisch nach chinesischer Art gäbe, wollte Herr Bär wissen, und der Büffetier antwortete: Bei ihm nicht, aber beim „Asia Snack“ nebenan. Und wieso er dann dulde, dass der Chinese von nebenan seine Speisekarte bei ihm an die Tür klebe, das sei doch geschäftsschädigend, begehrte Herr Bär weiterhin zu wissen. Nein, das sei schon in Ordnung, antwortete der türkische Imbissbetreiber, er sei ja gleichzeitig auch „der Chinese von nebenan“, denn ihm gehöre ebenso der „Asia-Snack“. Herr Bär dankte für die Auskunft und zog um einiges schlauer vondannen, denn er hatte erstens gelernt, wie die Globalisierung funktioniert und zweitens, wie man mit betriebswirtschaftlichem Kalkül das unternehmerische Risiko absichert, neben drei Döner-Restaurants noch ein viertes zu eröffnen.
Aber wenn man als Deutsche Bahn AG in Eschweiler nur einen einzigen Bahnhof hat, ist es ziemlich affig, ihn aufwerten zu wollen, indem man ihn „Eschweiler Hauptbahnhof“ nennt. Als ob dann tatsächlich mehr Einwohner von Eschweiler als bisher mit der Deutschen Bahn fahren würden. Aber der Hartmut Mehdorn glaubt das wahrscheinlich allen Ernstes.

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Bild des Monats

Dienstag, 1. Juli 2008 13:20

“Herr Bär, Sie haben ein Eisbüdchen gemalt?”
Bär: “Jojo, jetzt im Sommer kommt dat jut an beim Publikum.”

“Aber das blaue Fähnchen links zeigt gar keine Eisreklame!”

Bär: “Dat is eine vermietbare Werbefläche. Wenn ein Speiseeiskonzern auf däm Fähnchen seinen Schriftzug sehen will, muss dä dafür löhnen. Un wenn dä Vertrag ausgelaufen is, übermale ich dat Fähnchen wieder”.

“Und es hat sich noch niemand gemeldet?”

Bär. “Doch, aber kein Speiseeishersteller. Sondern die Deutsche Post. Die wollen ja jetzt überall ihre Postfilialen schließen un da han die bei mir angefragt:Herr Bär, können Se en däm Eisbüdchen nit auch Briefmarken verkaufen? Ävver dat han ich abgelehnt. Nachher kommen alle Postkunden zu mir und beschweren sich, dat dä Briefträger wieder unpünktlich war oder die Briefe verschusselt hat. Darunter würde dat Bild leiden. Deswegen lasse ich dat Fähnchen lieber leer.”

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Bild des Monats

Sonntag, 22. Juni 2008 10:00

“Herr Bär, Sie haben einen Fluss mit niedrigem Wasserstand gemalt?”

Bär: “Jojo, bei däm niedrigen Wasserstand braucht man eigentlich die Brücke janit. Da kannste einfach so mit hochgekrempelten Hosenbeinen durch dat Wasser waten.”

“Und wieso hat man die Brücke trotzdem gebaut?”

Bär: “Et könnt ja auch mal Hochwasser kommen. Man weiß et ja nit.”

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Ausgabe Nr. 66

Sonntag, 15. Juni 2008 9:59

Bericht aus Braunschweig Wo findet man den Slogan „Ein Reicher ist niemals zufrieden, aber ein Zufriedener ist immer reich“? Etwa in goldenen Lettern als Portalinschrift des Schweizerischen Bankvereins? Mitnichten! In einem Infokasten neben dem Haupteingang des Braunschweiger Doms! Hm, hm, nun ja, aber was soll ausgerechnet dieser Plakattext bei den innere Einkehr und Buße Suchenden bewirken, so fragte sich Herr Bär etwas ratlos und kam nach einigem Nachdenken dann doch noch zu einer schlüssigen Antwort: Reichliche Spenden in den Opferstock natürlich. „Modernes Kirchenmarketing“ nennt man das heute.

Manchmal recyclen sie fürs Kirchenmarketing auch Werbesprüche, die der Schweizerische Bankverein vorher rigoros abgelehnt hat, weil irgendeiner dieser cleveren und knallwachen „Gnome von Zürich“, wie man die Bosse des Schweizerischen Bankvereins umgangssprachlich auch nennt, in der Vorstandssitzung den Daumen konsequent nach unten senkte: „Meine Herrli Vorstandskollegeli, ich bitte Sie! Mit einer paradoxen Aussage für Bankgeschäftli zu werben war vor dreißig Jährli mal gang und gäbe, aber in unseren Tagen ist das weder kreativ noch originell!“

Wie wahr, wie wahr, abgesehen mal von dem komischen Deutsch, dass sie in der Schweiz zu sprechen pflegen. „Steuerflüchtli“ hört sich ja irgendwie putziger an als „Steuerflucht“, weswegen „die Reichen“ (BILD-Zeitung) oder „die Reicheli“ (Neue Zürcher Zeitung) sich in ihrer Unzufriedenheit in der auch ansonsten putzigen Schweiz höchst willkommen fühlen, nicht aber im Braunschweiger Dom, wo man ihre heuschreckenhafte Gier und Unzufriedenheit in einem Infokasten neben dem Hauptportal mit Bibelzitaten geißelt.
Bis Braunschweig hat sich allerdings noch nicht herumgesprochen, welch harsches Urteil man im wachen Vorstand des Schweizerischen Bankvereins über paradoxe Wortspiele in der Werbung zu fällen pflegt, denn dort in Niedersachsen residiert ein unbeholfener Werbedepp, der jüngst den Auftrag erhielt, für das berufliche Wirken eines Grundstücksmaklers mit einem zündenden Slogan Reklame zu machen. Und was fiel diesem schnarchigen tumben Werbeheini dazu ein? Ein Paradoxon! Nämlich die Zeile: „Wir bewegen Immobilien“.

Oh heilige Einfalt! Das darf doch nicht wahr sein! Als Herr Bär den Einwand wagte, das sei doch eine glatte Lüge, denn der Wortbedeutung nach seien Immobilien ja unbeweglich, was wohl jeder wisse, da sagte der sumpfeulenhafte Werbedepp triumphierend: „Stimmt! Das ist eine offensichtliche Lüge!“ Aber sie träfe sehr wohl den Nagel auf den Kopf, denn nirgendwo sonst werde doch so viel beschönigt, verschleiert, gelogen und betrogen wie ausgerechnet in der Immobilienbranche. Da werde z.B. in einer Annonce eine völlig baufällige und zugelärmte Bruchbude in der Einflugschneise des Flughafens schon mal als „Liebhaberresidenz für Hobby-Handwerker, mit günstiger Verkehrsanbindung ans internationale Luftverkehrsnetz“ ausgewiesen und eine dunkle Erdgeschosswohnung als „schattig“ und „in lebhafter Umgebung“ gelegen gepriesen, wenn es sich um eine Adresse an einer sechsspurigen und ebenfalls recht lauten Schnellstraße handelt. So könne man mit einer Lüge durchaus auch die Wahrheit verkünden. Das sei paradox und in dieser Paradoxität kreativ und originell, was seine Kunden in Braunschweig sehr wohl zu schätzen wüssten, nur eben die „Gnome von Zürich“ nicht.

Manchmal wird die Wahrheit allerdings auch aus geografischer Unkenntnis etwas gedehnt. Liegt Marokko in Europa? Eigentlich nicht, für den Besitzer eines mediterranen Imbiss-Grills auf dem Kölner Alter Markt allerdings fälschlicherweise schon. Der gute Mann bietet nämlich als „Menü“ zur derzeitigen Fußball-Europameisterschaft in der Schweiz und in Österreich in seinem Etablissement auf dem Kölner Alter Markt nicht etwa Käse-Fondue und Kaiserschmarrn an wie die meisten anderen Gastronomen in seiner Nachbarschaft, sondern – halten Sie sich fest! – ausgerechnet ein „Marokkanisches EU-Menü mit pikanter Merguez-Wurst“. Spielt die marrokanische Nationalmannschaft eigentlich bei der EM mit? Mitnichten! War also hier etwa auch der unbeholfene Braunschweiger Werbedepp am Werk? Ist es wirklich kreativ und originell, bei einer Fußball-EM im Alpenland ausgerechnet ein „marokkanisches EM-Menü“ auf die Karte zu setzen? Was sagen eigentlich die knallwachen „Gnome von Zürich“ dazu? Das hätte Herr Bär wirklich zu gerne gewusst, aber nun ja, das Bankgeheimnis, das Bankgeheimnis…

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Bild des Monats

Sonntag, 1. Juni 2008 9:53

“Herr Bär Sie haben eine verschwundene Prinzessin gemalt?”

Bär: “Enä, keine verschwundene, sondern eine verwunschene. Die ist verwunschen, aber nit verschwunden. Dat sieht man doch!”

“Hm, hm, nicht unbedingt, Herr Bär, was ist denn nun das Verwunschene an der Prinzessin?”

Bär: “Dat erklärt gerade auf dem Bild der eine Mann dem anderen. Der sagt: Loor ens, do kütt die verwunschene Prinzessin. Pass bloß op, dat dich die Prinzessin nit küsst, sonst siehst du hinterher aus wie ‘ne Frosch!”

“Aber Herr Bär, das ist doch genau umgekehrt! Die Prinzessin küsst einen Frosch, und der verwandelt sich in einen Prinzen!”

Bär: “Jo? Also, ich han direkt dat Jefühl jehabt, dat mit dem Bild irgendwat nit stimmt!”

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Bild des Monats

Sonntag, 18. Mai 2008 17:08

“Herr Bär, Sie haben den Kurpark von Bad Wildungen gemalt?”

Bär: “Jojo. Leicht verschwommen sieht man in der Bildmitte dat Kurparkorchester, wie et gerade die ‘Böhmische Polka’ von Johann Strauß spielt.”

“Welch herrlicher Musikgenuss, Herr Bär!”

Bär: “Enä! Gleich neben dem Kurpark ist nämlich eine Ramba-Zamba-Kneipe, un dort hätt ein Alleinunterhalter seine Anlage soweit aufgedreht, dat däm singe Gesang auch noch im ganzen Kurpark zu hören is”.

“Was singt der denn, Herr Bär?”

Bär: “Zuerst hätt dä einen Sechziger-Jahre-Hit jesungen, My Baby Baby balla balla. Dat jing ja noch. Ävver dann hat der anschließend versucht, von den Höhnern ‘ Viva Colonia’ anzustimmen. In Bad Wildungen! Ein hessischer Entertainer! Beim Refrain fiel ihm dann auf, dat dä ja kein kölsch kann, un deswegen wechselte dä erst ins Hochdeutsche und dann ins Hessische. Dat hat sich grauenhaft angehört!”

“Bad Wildungen, wie es singt und klingt. Aber was hat Bad Wildungen denn sonst noch für Attraktionen, Herr Bär?”

Bär: “Das ‘Tanzcafé Bolero’ im Stadtteil Reinhardshausen zum Beispiel. Da is jeden Dienstag Damenwahl. Auf einem Plakat steht: ‘Jede Dame, die es schafft, einen Herrn auf die Tanzfläche zu bringen, kriegt eine Rose geschenkt’!”

“Da muss der Wirt aber viele Rosen verschenken! Das kostet den bestimmt ein Vermögen!”

Bär: “Enä! Überhaupt nicht! Gleich nebenan is nämlich die urologische Klinik, und da sagen die Ärzte ihren Patienten, wer gerade an dä Prostata operiert ist, dä soll ein halbes Jahr lang nicht Radfahren, hüpfen, springen oder tanzen. Deswegen gehen die Patienten us dä Klinik nicht ins ‘Tanzcafé Bolero’, sondern lieber in eine andere Remmi Demmi-Kneipe namens ‘Rudys Saustall’, wo freitags un samstags immer Grillabend ist. Die Spezialität vum Rudy is gegrillter Schweinebauch… da ist immer wat los… Wenn de in dä Klinik vier Wochen lang Schonkost essen und dabei abnehmen sollst, dann is dat eine willkommene Alternative… Schon dä Kardinal Frings soll ja jesacht haben: Man muss auch mal ein Opfer auslassen können…”

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Ausgabe Nr. 65

Donnerstag, 15. Mai 2008 9:25

Nicht jeder taugt zur Kultfigur, sondern bringt es in der Presse allenfalls zu einer Erwähnung auf der letzten Seite unter „Aus aller Welt“, so der sächsische Heiratsschwindler Franz Ficker (53), über den die Medien sich bemüßigt fühlen zu betonen, er hieße wirklich so. Gewiss ist dies ein angemessener Nachname für einen Heiratsschwindler, womit sich einerseits der Grundsatz „nomen est omen“ bewahrheitet, zum anderen die Vermutung Nahrung erhält, der gute Mann habe seinen Charme nicht allein mit seinem sächsischen Dialekt entfaltet, um die dahinschmelzenden Damen um fünfstellige Summen zu erleichtern, mit denen er sich dann bei Nacht und Nebel davonmachte, um in den geheimnisvollen Tiefen des Sachsenlandes unterzutauchen, bis das Geld aufgebraucht war und der Charmeur dann sein nächstes Opfer becircte. Alsdann steuert die Geschichte ihrer eigentlichen Pointe zu, als nämlich Franz Ficker als notorischer Wiederholungstäter zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde und eine Ladung zum Strafantritt erhielt, auf der allerdings irrtümlich die Adresse eines Frauengefängnisses angegeben war. Brav und vielleicht sogar mit einer gewissen Vorfreude meldete er sich an der Gefängnispforte zum Haftantritt, doch dort wies man ihn barsch ab, und der Gefängnisdirektor schrieb irritiert ans Justizministerium, ein Frauengefängnis sei wohl nicht der richtige Ort, um dort einen rechtskräftig verurteilten Heiratsschwindler seine Strafe verbüßen zu lassen. Die Gefahr, dass der Mann dort rückfällig würde, sei zu groß, was man schließlich wohl auch im sächsischen Justizministerium eingesehen haben mag. Es gehen wohl nicht nur in Bayern, sondern auch in Sachsen die Uhren ein wenig anders, oder um es für die Bildungsbürger unter den geneigten „bär aktuell“-Lesern einmal auf Latein auszudrücken: Tu felix Saxonia nube (übersetzt: Du glückliches Sachsen heiratest).

Was sonst noch in der Zeitung stand: Ein Polizist, seines Zeichens Spezialist für die Anfertigung von Phantombildern flüchtiger Verbrecher, beklagte sich kürzlich, unter einem „etwa sechzigjährigen Mann mit weißen Haaren und randloser Brille“ stelle sich jeder Zeuge etwas anderes vor. Nach solch unpräzisen Angaben ein Phantombild zu erstellen, sei äusserst schwierig. Wenn der Zeuge jedoch behaupte, der flüchtige Tatverdächtige sähe aus wie Franz Beckenbauer, dann könne man als Phantombildspezialist eher etwas damit anfangen. Die Zeugen mögen sich das doch bitte schön zu Herzen nehmen, was sie dann wohl auch taten. Denn jetzt wundert sich Franz Beckenbauer, wie oft sein Gesicht neuerdings auf polizeilichen Fahndungsplakaten zu sehen ist.

Hilfreich für präzisere Auskünfte an den Phantombildzeichner ist auch das allerdings nicht. So antwortete jüngst eine der geprellten Damen in Sachsen auf die Frage, ob sie den flüchtigen Heiratsschwindler Franz Ficker beschreiben könne: „Ach, ich weiß nicht. Diese Heiratsschwindler sehen ja irgendwie alle gleich aus. Also… so ähnlich wie Franz Beckenbauer“. Überführt wurde Franz Ficker schließlich nicht durch das Phantombild, sondern anhand seines sächsischen Dialekts, worüber Franz Beckenbauer wiederum erleichtert aufatmete.

Bärs Berufstipps für Nichtskönner Strebten verkrachte Existenzen früher gerne in die Gastronomie („Wer sonst nichts wird, wird Wirt“), so beweisen in unseren Tagen Ronald Pofalla und Erwin Huber täglich aufs Neue, dass man auch mit Kurzauftritten in der Tagesschau in der Paraderolle als christdemokratische Knallcharge (Pofalla) oder als unbedarft-linkisch wirkender Biedermann (Huber) in der Politik noch was werden kann. Man muss eigentlich nur wissen, dass das karrieretechnisch wirksame parteiinterne Ritual immer noch „Kandidatenaufstellung“ und nicht auf neudeutsch „Casting“ heißt. Bei Pofalla kann man sich immerhin noch vorstellen, wenn er Wirt geworden wäre, würde er beim Servieren dauernd tolpatschig das Bier verschütten. Wer für beide Berufe, nämlich Politik und Schankwirt, zu dämlich ist, der kann indessen immer noch „Kurator“ werden. Das ist keine geschützte Berufsbezeichnung, weshalb man im heutigen Kunstbetrieb vermehrt illustre Zeitgenossen antrifft, denen keinerlei kunstwissenschaftliche Vorkenntnisse abverlangt werden, sofern sie nur ein klein wenig glamouröser als Erwin Huber wirken und beim Vernissagen-Small Talk nicht dauernd das Bier verschütten, so wie Ronald Pofalla in Herrn Bärs amüsanter Vorstellung von Pofalla in der Rolle eines ungeschickten Schankwirts, der an seinen eigenen Ansprüchen des schlabberfreien Tragens eines Tabletts voller Biergläser scheitert und solchermaßen zu einer ähnlich tragikomischen Witzfigur wird wie ein eitler Kunstbetriebs-Narr, der von Insidern als fachlich völlig ahnungsloser Ausstellungskurator belächelt wird, dem es selbst aber in seiner verblendeten Selbstwahrnehmung gleichwohl nie einfiele, sich mit Ronald Pofalla vergleichen zu wollen, und der sich dafür nicht von Dieter Bohlen, wohl aber von Herrn Bär verhöhnen lassen muss.

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Ausgabe Nr. 64

Mittwoch, 16. April 2008 11:10

Eltern, die zur Schrulligkeit neigen, müssen sich nicht wundern, wenn ihre Kinder später darunter zu leiden haben, auf allzu seltsame Vornamen getauft worden zu sein. Solch ein reichlich verschrobenes Elternpaar im Süddeutschen hat sich die Marotte zugelegt, allen seinen Kindern mindestens vier Vornamen zu verpassen. Das erste Kind heißt somit Caris-Celina-Yasmin-Naomi, und die Namensgebung ist das Ergebnis einer anscheinend ziemlich wohlüberlegten und höchst zähen Auswahl aus dem Namensregister, wofür die Eltern nämlich sage und schreibe volle drei Jahre brauchten, bis sie alle vier Namen beisammen hatten und der Eintrag ins Standesamtsregister endlich vollzogen werden konnte.

Das zweite Kind bekam dann allen Ernstes die Namen Lara-Latizia-Tifany-Alisa verpasst, und die Eltern betonen stolz, ihre Kinder würden sie auch mit allen Vornamen rufen: „Lara-Latizia-Tifany-Alisa, du sollt es sein lassen! Caris-Celina-Yasmin-Naomi, mach dich nicht schmutzig!“ Unlängst wurde nun das dritte Kind geboren, und man ahnt es, die absonderlichen Eltern haben sich 14 Monate nach der Geburt immer noch nicht auf alle vier Vornamen einigen können. „Karl-Gutfried-Jonathan-Lorenz“ kommt grundsätzlich nicht in Frage, dann würden im Kindergarten oder in der Schule die Altersgenossen das Kind womöglich „Kalli“ rufen, wovor die Eltern sich zutiefst grausen. Rainer Calmund heißt zwar nicht „Karl“ mit Vornamen, trägt aber trotzdem den Spitznamen „Calli“, und das wäre wohl selbst dann der Fall, wenn er Rainer-Gutfried-Jonathan-Lorenz Calmund hieße. Abschreckend ist aus Sicht der geplagten Eltern ebenfalls das Beispiel von Hans-Hubert Vogts, der als Fußballtrainer selbst im fortgeschrittenen Alter von 60 Jahren von der Presse immer noch als „Berti“ apostrophiert wird. Paris Hilton ist angeblich nach dem Ort benannt, an dem sie gezeugt wurde, aber wer sein Kind nach diesem Prinzip dann „Offenbach-Biblis-Rüsselsheim-Aschaffenburg“ nennt, der lässt durchblicken, dass bei der Planung seiner Flitterwochenreise die Romantik gewiss nur eine geringe Rolle gespielt hat, wie jeder bestätigen kann, der mal eine Hochzeitsreise nach Rüsselsheim gemacht hat.

Die Tendenz geht daher bei dem dritten Kind des wunderlichen Elternpaares derzeit in Richtung „David-Laurin-Rafael-Julian“, doch einig sind die Eltern sich bisher nur in Sachen „David“, wie die Presse zu wissen glaubt. Immerhin. Die drei anderen Namen sind also noch völlig offen, da nämlich bei Julian immerhin die große Gefahr bestünde, dass die Nachbarskinder beim Fußballspielen einfach abkürzenderweise „Juli, gib den Ball her“ über den Bolzplatz brüllen. „August“ ginge auch nicht, da man hier weniger an den römischen Kaiser als Namenspatron des Sommermonats denkt, sondern an die Clownsfigur des „dummen August“ im Zirkus, wobei aber heute kaum noch einer weiß, dass Kaiser Augustus dem Februar einen Tag geklaut und jenem Monat angehängt hat, der seinen Namen trägt, so dass nicht nur der Juli, sondern ebenso der darauffolgende Monat August 31 Tage haben. So etwas zu wissen hilft jedoch bei der Namensgebung für den Nachwuchs allerdings nicht wirklich weiter.

Weil jedoch nach Vorschrift der Behörden ein Eintrag beim Standesamt bereits vier Wochen nach der Niederkunft erfolgt sein muss, bekam das wunderliche Elternpaar inzwischen diverse Zwangsgeldbescheide zugestellt und zudem den behördlichen Rat erteilt, sie mögen doch bitteschön mal eine psychosoziale Beratungsstelle aufsuchen, worauf dem Vater schwante: „Die meinen, wir sind nicht ganz dicht“.

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