Beitrags-Archiv für die Kategory 'Bär Aktuell'

Ausgabe Nr. 76

Montag, 22. Dezember 2008 10:01

Herr Bär, erzählen Sie doch mal Ihren Lieblingswitz zu Weihnachten!

Bär: Tünnes und Schäl stehen am Rheinufer und schauen einem Tankschiff zu. Es trägt am Bug den Namen der Firma “Shell”. Darauf Tünnes: “Schäl, loor ens, wie blöd die do dinge Name jeschrivve han”. Frohes Fest, Jürgen Raap und Karl-Josef Bär

Rauchertipps mit Helmut Schmidt und Kaffeetrinken bei den Merkels Muss man in Hamburg bei dieser Winterkälte zitternd und bibbernd vor der Kneipentüre ausharren, wenn man dem Tabakgenuss frönen will in Zeiten eines mehr oder weniger sittenstreng durchgesetzten Rauchverbots in öffentlichen Räumen? Aber nein, denn Altkanzler Helmut Schmidt empfiehlt Hamburg-Besuchern eine Einkehr ins „Hotel Atlantic“, weil man „da rauchen“ dürfe, und molligwarm ist es im Winter im „Atlantic“ auch. Man muss auch niemanden fragen, wo der Zigarettenautomat steht (in den meisten Kneipen früher jedenfalls, als man dort noch rauchen durfte, vor dem Klo), sondern man raunt einfach einem Pagen zu, er möge doch eine Packung der Marke… herbeischaffen, und zwar in jenem verschwörerischen Ton, wie man sich sonst nur in gewissen verrufenen Lokalitäten an einen dort demonstrativ cool Herumstehenden heranmacht, von dem man glaubt, er böte nicht nur Maulaffen feil, sondern auch verbotene Betäubungsmittel. Doch nicht überall, wo man rauchen  darf, steht ein beflissener Hotelboy bereit wie im Hamburger Hotel „Atlantic“, wenn Altkanzler Schmidt dort ein TV-Interview gibt und den Kameraleuten gehörig die Linse vollqualmt, so dass sich jüngst in Köln-Finkenberg ein juveniles Trio im Alter von 14, 16 und 18 Jahren bemüßigt fühlte, sich ihre Zigaretten per Einbruchdiebstahl in einem Drogeriemarkt zu besorgen. Wer sich über diese Form von Beschaffungskriminalität im Zeitalter des Rauchverbots wundert, der gebe bei „Wikipedia“ den Suchbegriff „Köln-Finkenberg“ ein, und denn dort bietet bereits der zweite Satz der Abhandlung die wichtige Hintergrundinformation: „Die Hochhaussiedlung gilt als sozialer Brennpunkt“. Ein Milieu, das offensichtlich robuste Naturen prägt und in dem man lernt, das man sich seine Zigaretten selber mitbringen muss und nicht von einem Hotelpagen gebracht bekommt wie im Hamburger „Hotel Atlantic“. Das nach Nikotin verlangende juvenile Trio brach also in einen „Schlecker“-Drogeriemarkt ein und schleppte eine große Packung Windeln ab im irrigen Glauben, es handele sich dabei um Zigaretten-Stangen. Die Boulevardpresse ergoss ihre Häme über den gründlich misslungenen Coup diesmal nicht mit der sonst in solchen  Fällen üblichen Bezeichnung „Deutschlands dümmste Einbrecher“, sondern verpasste ihnen das noch weniger schmeichelhafte Prädikat „Die Windelbubis“, und als solche gehen sie nun für alle Ewigkeit in die Kriminalgeschichte von Köln-Finkenberg ein.

Andere Karrieren führen in der Presse zu anderen Etikettierungen, wie es jüngst Angela Merkel widerfuhr, die von einer großen deutschen Tageszeitung als „Matrone der Mitte“ tituliert wurde. Darunter stellt man sich eher eine akurat frisierte betuliche Hausfrau aus dem gehobenen Bürgertum vor, wie man sie normalerweise nur in Werbespots für Filterkaffee zu sehen bekommt, in gestelzten Worten den aromatischen Duft des Kaffees preisend, den sie gerade aus einer Kaffeekanne mit umgebundenem Tropfenfänger am Kannenhals einschenkt, derweil der Herr Merkel das Bild ästhetisch ein wenig trübt, weil er nämlich in Strickjacke und Filzpantoffeln auf dem Sofa sitzt und gespannt zuschaut, ob seine Gattin beim Einschenken nicht herumkleckert, aber eben genau dafür gibt es ja den Tropfenfänger. Glauben diese Werbedeppen allen Ernstes, die Merkels binden zur sonntäglichen Kuchentafel ihrer Kaffeekanne einen Tropfenfänger um? Der Herr Merkel bildet sich übrigens ein, er werde auf der Straße nicht so schnell erkannt, wenn er sich Prof. Joachim Sauer nennt, aber es passiert ihm dennoch schon mal in der Berliner U-Bahn, dass da einer lauthals fragt: „Ist das nicht dieser Typ aus der Kaffeewerbung, na, der mit der Strickjacke?“ – „Aber nein, der mit der Strickjacke, das war doch Helmut Kohl!“ – Jetzt wissen wir auch, warum der Regisseur des Werbespots den Einfall hatte, dem Herrn Merkel-Darsteller eine Strickjacke zu verpassen… nämlich als subtile Anspielung darauf, Merkels Regierungsstrategie bestünde aus einem Nacheifern ihres früheren politischen Ziehvaters, vor allem, was das Aussitzen von (Konjunktur)problemen betrifft.

Von Kohl hatte das ZDF mal im Jahr darauf dieselbe Neujahransprache noch einmal gesendet, was niemandem aufgefallen war außer Kohl selbst, der sich nicht daran erinnern konnte, ausgerechnet diese eine gestreifte Krawatte bei der Aufzeichnung getragen zu haben. Und woran erkennt Angela Merkel, dass auch bei ihr wieder dieselbe Neujahransprache wie im Vorjahr gesendet wird? An ihrer Frisur! Ganz bitterböse Zungen lästern ja, in jenem Maße, wie der Figaro Udo Walz Fortschritte in seinem beruflichen Können mache und endlich das Haareschneiden beherrsche, habe sich auch die Frisur der Angela Merkel von Jahr zu Jahr verändert. Oder achten Sie bei der Ausstrahlung der Ansprache mal auf den Tropfenfänger am Hals der Kaffeekanne, ob das nicht derselbe vom letzten Jahr ist! Wie oft wechseln die Merkels eigentlich den Tropfenfänger an ihrer Kaffeekanne aus?

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Ausgabe Nr. 75

Samstag, 29. November 2008 9:50

“Hm, hm, Herr Bär… Jetzt schon ein Jahresrückblick? Ist das nicht ein bisschen früh?”

Bär: “Enä, dä ALDI hätt jo och schon em August Weihnachtsjebäck verkauft!”

Deppen-Ranking Alljährlich, wenn im heimischen Wohnzimmer das Tannengrün des Adventskranzes einen Hauch von Waldesluft verströmt, zwischen den Regalen der Supermärkte das Aroma von künstlichem Marzipanaroma wabert und der garstige Kinderschreck Hans Muff drohend seine Rute schwingt, dann überkommt auch Herrn Bär die Besinnlichkeit, und er sinniert über die größten Fehlleistungen des zu Ende gehenden Jahres nach. Seit Jahren führt gewiss nicht zu Unrecht der Deutsche Bahn-Chef Hartmut Mehdorn die „bär aktuell“-Liste derjenigen an, die in höchstem Maße irrlichternd durchs öffentliche Leben geistern. Auch diesmal reichte die Mehdornsche Verblendung wieder für Platz 1, als er bekundete, er sei „irritiert“, als man ihm zumutete, er solle doch freiwillig auf seine Bonuszahlungen verzichten, und dies just zu einer Zeit, als seine Bahnkunden am „Info-Point“ des Frankfurter Hauptbahnhofs die fröhliche Auskunft bekamen, „Keine Sorge, Ihr ICE fährt pünktlich, der muss heute nicht in die Werkstatt“, dann jedoch stundenlang auf einem zugig-kalten und überfüllten Bahnsteig ausharren mussten, weil nämlich weit und breit kein ICE zu sehen war, da dieser der Auskunft zum Trotz dennoch in der Werkstatt war und Herrn Bär die böse Ahnung beschlich, dass Hartmut Mehdorn sich die alberne anglizistische Bezeichnung „Info Point“ nur deswegen ausgedacht hat, damit falsch informiertes Auskunftspersonal die genervten Bahnkunden durch eben solche falsche Auskünfte gründlich verhöhnen kann. Ebenfalls ziemlich unangefochten auf Platz 2 finden wir Josef Ackermann, der die „Gerechtigkeitsdebatte“ um die feinsinnige Vokabel „Leistungsgerechtigkeit“ nebst einer Forderung nach „angemessener“ Entlohnung für Seinesgleichen zu bereichern trachtete. Nähme man Ackermann wirklich ernst, müsste z.B. Hartmut Mehdorn leistungsgerecht seine Nächte nicht in der Dienstvilla, sondern auf dem Feldbett bei der Bahnhofsmission verbringen. Noch ärger träfe eine wirklich leistungsgerechte Entlohnung die Deppen von der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW (Platz 3) die „irrtümlich“ noch schnell 300 Mill. Euro an die Lehman Brothers Bank (Platz 4) überwiesen hatten, als diese schon längst pleite war. Wahrscheinlich bilden sich diese einfältigen KfW-Zausel ein, was soll’s, das ist ja bloß virtuelles Geld, für deren Realwert letztlich der Steuerzahler einstehen muss, darunter eben auch Herr Bär mit seinem Sparschwein. Das geht aber volkswirtschaftlich nur so lange gut, wie nicht auch noch der Steuerzahler, also Herr Bär, den Inhalt seines Sparschweins durch den massenhaften Ankauf von Wundertüten verjuxt, mit dessen tandigem Inhalt (Gummipüppchen, Kinderschmuck aus Blech etc.) man sicherlich keine Bank retten könnte. Die Zeiten, als man bei amerikanischen Eingeborenen Glasperlen oder Feuerwasser gegen getrocknetes Büffelfleisch eintauschen konnte, sind jedenfalls schon lange vorbei, und selbst in der Wall Street fallen die kindischen Bankiers nicht mehr auf die Glasperlen herein, die sie von faulen Kreditkunden als „Sicherheit“ angeboten bekommen. Als die leichtsinnigen Gebräuche der Zocker und Gauner in der Finanzwelt von den Medien gar zur „Krise des Kapitalismus“ stilisiert wurden, hätte man eigentlich erwartet, das nun Guido Westerwelle mutig in seine Paraderolle als Gralshüter der freien Marktwirtschaft schlüpft und gegen die drohende „Verstaatlichung der Banken“ ankämpft wie Don Quichotte gegen die Windmühlenflügel. Doch nicht dergleichen geschah. Wo war eigentlich Westerwelle die ganze Zeit? Einfach abgetaucht. Unglaublich! Irgendwie hört man nichts mehr von dem. Für die versäumte freidemokratische Don Quichotterie gibt’s immerhin Platz 5. Nicht die Rettung des globalen Bankenwesens, wohl aber die Rettung der Welt, zumindest jene Hessens, hatte sich Andrea Ypsilanti vorgenommen und dabei idealistisches Sendungsbewusstsein und schnöde Machtgier gehörig durcheinandergebracht. Für ihre ignorante Unterschätzung der publikumswirksam zur „Gewissensnot“ hochstilisierten persönlichen Mimosenhaftigkeit bei der Postenverteilung zu kurz gekommener innerparteilicher Gegner gebührt ihr Platz 6. Und Platz 7? Richtig geraten, der geht an Ronald Pofalla, der schon allein in seinem schlecht sitzenden Anzug einen Hauch von Komik verbreitet, wenn er in der „Tagesschau“ vor dem Mikrofon eines Reporters auftaucht, und geradezu brüllend komisch wird es dann recht, wenn Pofalla schließlich auch noch den Mund aufmacht und irgendwas Dämliches sagt. Manchmal glaubt Herr Bär, das sei überhaupt nicht der Pofalla, sondern der Kabarettist Matthias Richling, der beim Imitieren des Herrn Pofalla diesmal gehörig übertreibt. Doch weit gefehlt, das ist nicht Matthias Richling, sondern der Pofalla parodiert sich selbst, und darauf muss man wirklich erst einmal kommen. Ist das originell? Bringt das die ersehnte Farbe in den notorisch stinklangweiligen Polit-Alltag? Nicht unbedingt. Denn wenn allenthalben darüber geklagt wird, sowohl in der Politik wie im Profifußball fehle es an „Typen mit Ecken und Kanten“, denkt wirklich niemand daran, dass ausgerechnet Roland Pofalla hier Abhilfe schaffen könnte.

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Ausgabe Nr. 74

Dienstag, 11. November 2008 9:46

Dies ist die wahre Geschichte von einem tölpelhaften Einbrecher, der über eine hohe Mauer geklettert und in einen Getränkemarkt eingebrochen war, nicht etwa, um dort Getränkeflaschen zu stehlen, sondern Pfandflaschen. Wahrscheinlich dachte er sich, leere Pfandflaschen sind leichter als volle Bier- oder Colaflaschen, da hat man nicht so viel zu schleppen. Beim Herunterspringen von der Mauer verstauchte er sich jedoch den Knöchel. Er kam daher nicht mehr über die hohe Mauer zurück, und erst jetzt fiel ihm auf, dass er gar nicht darüber nachgedacht hatte, wie er überhaupt so viele Pfandflaschen über die hohe Mauer hätte schaffen können, dass sich der Einbruch für ihn gelohnt hätte. Von seinem Handy aus rief er dreist die Polizei an, er hätte sich im Getränkemarkt verlaufen, sei versehentlich eingeschlossen worden und er hätte sich dann beim Herumirren den Knöchel verstaucht. Mit dem lädierten Knöchel käme er aber jetzt nicht über die Mauer, man möge doch dafür sorgen, dass ihm die Tür des Getränkemarkts aufgeschlossen würde, und es wäre gut, wenn auch noch der Notarzt vorbei käme, um nach seinem verletzten Knöchel zu sehen. Die Polizei hielt dies zunächst für einen Scherz, denn so dumm könne ja wohl kein Einbrecher sein. Und falls es kein Scherz war, dann könnte man getrost erst noch andere und dringende Polizeieinsätze erledigen, denn wenn es sich bei dem Anrufer um einen Einbrecher handeln würde, dann dass saß der ja erstmal im Getränkemarkt fest. Nach zwanzig Minuten wurde dem Einbrecher die Zeit zu lang, er rief erneut bei der Polizei an und beschwerte sich, wie lange das denn dauern würde…

Man ließ ihn nach der polizeilichen Vernehmung wieder auf freiem Fuß, der inzwischen notärztlich versorgt worden war und begründete die Verschonung vor der Untersuchungshaft mit dem Argument, es bestünde ja wohl keine Fluchtgefahr, mit dem lädierten Knöchel. Doch sobald der Knöchel abgeschwollen war, ging der Mann erneut auf Diebestour, und diesmal dachte er sich: Pfandflaschen klauen zu wollen bringt nichts. Stattdessen entschloss er sich, lieber einen Altkleidercontainer zu plündern und die erbeuteten Kleider an einen Second-Hand-Laden  zu verscherbeln. Der Mann beugte sich weit durch die Öffnung, durch die man normalerweise die Kleider hineinwirft, in den Container hinein; er verlor dabei den Halt und fiel in den Container! Und jetzt kommt der Höhepunkt der Geschichte, von der man nicht glaubt, dass sie sich so tatsächlich zugetragen hat, aber sie ist wahr, denn sie war kürzlich in der Boulevardpresse zu lesen: Der Dieb kam nicht mehr durch das enge Öffnungsloch aus dem Container hinaus! Er rief also per Handy die Polizei an, er habe sich in den Container schlafen gelegt, und jetzt käme er nicht mehr hinaus, man möge ihn befreien… Die Polizei ließ sich erneut Zeit, denn falls das ein Altkleiderdieb war, dann saß er ja jetzt im Container fest, und man konnte erst einmal dringendere Einsätze erledigen… Nach zwanzig Minuten rief er erneut bei der Polizei an, wie lange das denn noch dauern würde… nein, diesmal bräuchte er keinen Notarzt, er sei nämlich weich gefallen, auf die Kleider in dem Container… Man musste den Container aufschweißen, um ihn dort herauszuholen. Im Polizeiverhör gab der Mann an, er wüsste nicht, wie er in den Container habe fallen können, und das solle man ihm erst einmal widerlegen. Als er die Polizeiwache verließ, stellte er fest, dass inzwischen der Akku von seinem Handy leer war, und er bildete sich ein, da habe er ja wohl bis jetzt noch immer richtig Glück gehabt, dass sein Handy einwandfrei funktionierte.

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Ausgabe Nr. 73

Mittwoch, 22. Oktober 2008 16:40


Oh Zeiten, oh Sitten Hat nicht auch Herr Bär an dieser Stelle immer wieder den Verfall der Medienkultur beklagt, und dies mit ähnlich drastischen Formulierungen wie Marcel Reich-Ranicki, der bei der Verleihung des Fernsehpreises bekundete, in eben jenem Fernsehen gäbe es nur noch „Blödsinn“ zu sehen? Ja, das hat Herr Bär. Bekommt Herr Bär deswegen spontan von Thomas Gottschalk eine eigene Fernsehsendung angeboten, um über das „Niveau“ des TV zu diskutieren? Nein, Herr Bär nicht, wohl aber Marcel Reich-Ranicki. Während zu dieser Preisverleihung die geballte TV-Prominenz angetreten war, um sich mal wieder selbst zu feiern und dann angesichts von Reich-Ranickis Philippika reichlich bedröppelt aus der Wäsche schaute, wohl ahnend, dass hier einer mal die Wahrheit über das Niveau der TV-Programme sprach, ließen die Manager der Fortis-Bank, eben erst vom belgischen Staat mit Steuergeldern gestützt und damit vor der Pleite bewahrt, die Champagnerkorken knallen und stießen fröhlich „auf alle“ an, die in der aktuellen Bankenkrise „ihr Geld verloren haben“. Da hätte die belgische Regierung besser die Maxime beherzigt, dass man schlechtem Geld kein gutes hinterher werfen soll. Herr Bär weiß nicht, wie man an eine eigene Fernsehsendung kommt, wohl aber, wen man fragen muss, wenn man unbedingt bei der Düsseldorfer Sparkasse einen faulen Kredit rausleiern will, nämlich einen gewissen Franjo Pooth, der genau das geschafft hat, und zwar dank der Prominenz seiner Gattin Veronika, an deren grammatische Fehlleistungen bei TV-Auftritten wohl der Germanist Reich-Ranicki gedacht haben mochte, als er die heutige Fernsehkultur als „unerträglich“ brandmarkte. Gleichwohl und trotz des Kredits setzte Franjo Pooth sein Unternehmen in den Sand und gab anschließend als Ursache seiner persönlichen Finanzkrise an, er habe als Geschäftsmann schlichtweg den Überblick verloren. So kommen bei Herrn Bär dann doch erhebliche Zweifel auf, wenn in Berlin die Politiker mutig vors Mikrofon treten, und einer nach dem anderen mit heuchlerischem Zweckoptimismus erklärt, bei uns sei eine Bankenkrise durch faule Kredite wie in den USA nicht zu erwarten und der Inhalt von Omas Sparstrumpf sei sicher. Doch es gibt auch kritische Rufer und Mahner in der Wüste: z. B. der Bundespräsident, der durch seine frühere berufliche Tätigkeit mit der Mentalität von Bankern und Wirtschaftsbossen bestens vertraut ist und ihnen daher „Maßlosigkeit“ vorhält, oder auch Peter Struck, der „nur Verachtung“ für den „Opportunismus“ eines Josef Ackermann übrig habe, wenn dieser jetzt laut nach staatlicher Unterstützung für die notleidenden Banken rufe, weil diese ihre Champagnerparties nicht mehr bezahlen können. Als daraufhin auch noch der Schauspieler Peter Sodann als Bundespräsidentenkandidat der Linken verkündete, im Falle seiner Wahl werde er Josef Ackermann verhaften lassen (eine höchst sympathische Idee, findet Herr Bär), ruderte letzterer eilig zurück und verkündete trotzig, die Deutsche Bank würde sich schämen, wenn sie staatliche Hilfe in Anspruch nehmen müsste, und er, Ackermann, sähe auch künftig die Aufgabe einer Bank darin, möglichst hohe Renditen zu erwirtschaften. Dass ihm die „Maßstäbe abhanden“ gekommen waren, musste aber bereits einer von Ackermanns Vorgängern zugeben, nämlich der damalige Deutsche Bank-Chef Hilmar Kopper, als er den Verlust durch einen „faulen Kredit“ an den Pleitier Dr. Schneider als „peanuts“ bezeichnet hatte. Wie war eigentlich damals Dr. Schneider an seinen „faulen Kredit“ gekommen? Etwa, indem auch er eine attraktive, prominente und tiefdékolletierte Gattin zum Kundenberater mitschleppte, so wie Franjo Pooth? Mitnichten. Dr. Schneider setzte sich einfach zur Unterstreichung seiner Kreditwürdigkeit ein Toupet auf.

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Ausgabe Nr. 71

Montag, 22. September 2008 14:30


Wenn eine Partei einen Putsch gegen eine ihrer prominentesten Führungskräfte inszeniert, kann sie es damit schaffen, wochenlang die Schlagzeilen zu beherrschen, so wie derzeit die SPD mit der Steinmeier-Kandidatur, dem Münte-Comeback und dem Beck-Desaster die Medien beherrscht. Das wurmt natürlich die politische Konkurrenz, und was macht also die CDU? Resigniert sie etwa? Mitnichten! Nein, Sie denkt sich, denn putschen wir eben auch mal einen unserer Politiker weg. Dann stehen wir auch wieder mal in der Zeitung. Aber wen nehmen wir? Am besten einen, der im Ruf steht, so herrlich provinziell zu sein und in Berlin überhaupt nicht zu recht zu kommen. So traf es denn ausgerechnet den bisherigen Berliner CDU-Fraktionsvorsitzenden Friedbert Pflüger, der im Berliner Wahlkampf schon mal erzählt hat, wie toll es in Hannover ist und also bestens prädestiniert zu sein schien als parteiinternes Putschopfer. Pflüger wurde also soeben eiskalt als Berliner Fraktionsvorsitzender abgewählt, was aber außer der Berliner Lokalpresse niemand mit Schlagzeilen bedachte, denn erstens kennt diesen Friedbert Pflüger außerhalb Berlins keine Sau, und zweitens interessiert sich deswegen außerhalb Berlins auch keine Sau dafür, ob er abgewählt wird oder nicht. Etwas schlauer in Sachen Medienstrategie stellte sich dann immerhin die bayerische Schwesterpartei an mit Günter Becksteins Geleitwort zum Münchener Oktoberfest, nach dem Genuss von zwei Litern Bier könne man noch getrost Auto fahren – was in der Vergangenheit schon der eine oder andere trinkfeste CSU-Politiker versucht hat in der Praxis auszuprobieren. Freilich endete dann so mancher christsoziale Selbstversuch in Sachen automobilem Vollrausch an der Leitplanke, im Straßenrand oder am Alleebaum und anschließend punktemäßig in Flensburg. Vielleicht wäre Friedbert Pflüger endlich auch mal in die bundesweite Presse gekommen, wenn er dreist behauptet hätte, man könne auch nach dem Genuss von drei Litern Bier noch Auto fahren – nur hätte die Sache einen Haken gehabt: Keiner hätte geglaubt glaubt, dass ausgerechnet Friedbert Pflüger drei Liter Bier vertragen könnte.

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Ausgabe Nr. 70 - Schweiz Special

Donnerstag, 4. September 2008 9:26

Bär aktuell Schweiz Special Wer auf dem Flughafen von Genf ankommt, den erwarten an den Wänden des Flughafengebäudes ausschließlich Reklametafeln, die für Banken und für Uhren werben. Nur Banken und Uhren! Sonst nichts. Fährt man dann froher Erwartung in die Stadt, trifft man hauptsächlich auf – richtig geraten – Banken und Uhrengeschäfte. Manche Uhrenläden haben indes noch nicht einmal Preisschildchen in ihren Schaufenstern, weil die Uhren so teuer sind, dass sie sich ohnehin nur jenes Publikum leisten kann, das auch die Banken umwerben: zwielichtige Waffenhändler und neureiche russische Oligarchen. Dubiose Waffenschieber erkennt man im Stadtbild an der verspiegelten Sonnenbrille, und die zu rasch und vermutlich auf unredliche Weise zu Geld gekommenen russischen Oligarchen an ihrer obligatorischen Wodkafahne und ihren protzigen Manieren. Deutsche Steuerflüchtlinge, die das Geld für den Parkscheinautomaten sparen wollen, parken deppenhafterweise direkt auf dem Kundenparkplatz vor der Filiale der Deutschen Bank am Place des Bergues, nicht ahnend, dass hier immer ein paar getarnte BND-Agenten herumlungern, die sich die Kennzeichen deutscher Autos aufschreiben. Der deppenhafte Steuerflüchtling, den die Schweizer Presse beharrlich als „Steuerzahler“ bezeichnet, weil er ja in der Schweiz Steuern zahlt, nur in Deutschland eben nicht, hält den BND-Agenten für einen Zivilpolizisten, der Parkverbots-Strafmandate verteilt und ruft ihm zu: „Ich parke hier nur fünf Minuten, bin gleich wieder weg!“ Er hätte ihm auch zurufen können: „Das hier ist ein Kundenparkplatz und ich bin Kunde bei der Deutschen Bank!“ Aber das wäre wohl zu indiskret gewesen, schließlich muss das ja nicht jeder mitkriegen… Es kriegt aber zumindest der BND mit, und die BND-Agenten vor den Bankfilialen tragen übrigens alle verspiegelte Sonnenbrillen und eine Wodkafahne vor sich her, und wenn man sie fragt, als was sie sich getarnt haben, dann antworten sie: „Als zwielichtiger russischer Waffenschieber“. Wenn der deppenhafte Steuerflüchtling aus der Bank kommt, freut er sich, dass er keinen Strafzettel an der Windschutzscheibe hat, in seiner Torheit nicht ahnend, dass er auf dem Kundenparkplatz ohnehin kein Knöllchen bekommen hätte, aber irgendwie hat er doch das Gefühl, man habe ihn bei etwas Verbotenem ertappt. Er fühlt sich so ähnlich, als ob er gerade aus dem Pornoladen kommt und die Nachbarn sehen ihn. Es gibt übrigens auch Schokoladengeschäfte in Genf, und dort bieten sie putzigerweise Schokoriegel in Form eines Goldbarrens an. Ansonsten gibt’s in Genf an Devotionalien Plüsch-Hunde in der Form eines Bernhardiners, die auch alle „Bernhard“ heißen, und der Hl. Bernhard hätte es sich wohl nicht träumen lassen, dass er eines Tages als Schutzpatron der Steuerzahler herhalten muss. Und wie lautete die Schlagzeile auf der Titelseite der „Berner Zeitung“ vom 30. August 2008: „Die Kassen quillen über“.

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Ausgabe Nr. 69

Mittwoch, 3. September 2008 9:25

Bärs Bestatterkritik  Was bietet die rheinische Bestatterszene im Herbst? Wird in den lokalen Beerdigungsinstituten immer nur der Trauermarsch geblasen? Mitnichten! Jetzt wird vielmehr munter der trüben Herbststimmung getrotzt, denn der 11.11. ist nicht mehr weit. Den Auftakt macht das „Haus der menschlichen Begleitung“ Pütz-Roth in Bergisch Gladbach und lädt für den 10. Sept. 2008 ein zur „Kölsch-Bergischen Revue“. U.a. mit dem wunderbaren Krätzjensänger-Duo „Sakko Colonia“, dem bewährten Karnevalisten Willi Armbrüster und anderen Spitzenkräften des regionalen Narrentreibens. Weiter geht’s am 13. September 2008 mit dem „Tag der offenen Tür“ beim Bestattermeister Christoph Kuckelkorn, der auf seiner Internetseite unter „Sonstige Ehrenämter“ angibt, dass er Vizepräsident des Festkomitees Kölner Karneval und Leiter des Rosenmontagszuges ist. Bei soviel Frohsinn will als Dritter im Bunde auch das Kölner Bestattungshaus Pilartz unbedingt mithalten können: Es hat sich für den 31. Oktober 2008 die Trauerhalle auf dem Friedhof Melaten reservieren lassen und lässt dort die Kabarettisten Rainer Pause und Martin Stankowski den „Tod im Rheinland“ aufführen – als „unterhaltsames Stück über Bestattungskultur von der Römerzeit bis zur Gegenwart“. Bär findet: Wenn man das Leben nicht so ernst nimmt, kann man wohl auch den Tod hinweg lachen…

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Ausgabe Nr. 68

Dienstag, 19. August 2008 8:20

Womit füllen die Gazetten das Sommerloch auf? Der Berliner Zoo wartet mit einer neuen Attraktion auf. Nach dem Eisbären Knut ist es nun der Ameisenbär Adolpho, der die Herzen des Publikums bewegen und die Kasse klingeln lassen soll. Mehr im Klingelbeutel will auch Wolfgang Huber haben, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, und kündigte allen Ernstes die Gründung von „Kompetenzzentren für Predigtkultur und Gottesdienstqualität“ an. Vielleicht kommen in diesem „Kompetenzzentrum“ die Kirchenmarketing-Spezialisten dort demnächst auf die durchgeknallte Idee, sich einen Ameisenbär als Kirchenmaskottchen anzuschaffen. Die katholische Konkurrenz ist da marketingmäßig schon etwas näher an den Bedürfnissen ihrer Schäfchen. Der notorisch sittenstrenge Kölner Kardinal Meisner biedert sich nämlich bei den Grünen und ihrer Klientel an mit dem Argument, Keuschheit zu üben diene dem Umweltschutz. Ökologie! Da spürt man doch den Puls der Zeit, das ist „angesagt“, dachte man sich im „Kompetenzzentrum“ des Erzbistums Köln. Meisner daher also wörtlich: „Jemand, der die Keuschheit nicht bewahren kann oder der überhaupt sein leibliches und seelisches Leben, also seinen eigenen Mikrokosmos, nicht in Ordnung halten kann – wie will der denn etwas zur Bewahrung des Makrokosmos tun?“ Nun kommt der Kardinal bekanntlich aus dem Osten und mit seinen Auffassungen im Rheinland nicht überall an. Für die eher sinnenfrohen rheinischen Katholiken muss daher als Sympathieträger gleichzeitig der Kölner Prälat Johannes Basgen ins Feld geführt werden, ein passionierter Zigarrenraucher, der mit nicht minder deutlichen Worten gegen das Nichtrauchergesetz und gegen die staatliche Regulierungswut polemisiert: „Demnächst verbieten sie uns auch noch den Weihrauch im Kölner Dom“. Das wäre sicher gut für die Umwelt, d.h. für den Makrokosmus im Meisner’schen Sinne, aber weil es bei den Protestanten eben an Weihrauch mangelt, müssen sie in ihrem „Kompetenzzentrum für Gottesdienstqualität“ darüber nachgrübeln, ob nicht vielleicht gerade wegen eben dieses Weihrauchmangels ihnen die Gottesdienstbesucher wegbleiben. Wahrscheinlich kommen sie dann zu dem Ergebnis, dass anstatt der Anschaffung eines Ameisenbärs als Kirchenmaskottchen der Erwerb eines Weihrauchschwenkers sinnvoller wäre.

Bedingt nützliche Nachhilfe in Geografie bot Uli Hoeneß, der Manager des FC Bayern München. Als nämlich der Spieler Lukas Podolski verlauten ließ, er fühle sich in München nicht wohl und sehne sich zurück nach seiner Heimat in Köln, da konterte Hoeneß, München läge ja nicht auf den Samoa Islands, sondern sei eine „mitteleuropäische Weltstadt“, in der man genauso gut leben könne wie in Köln. Wenn Uli Hoeneß sich da mal nicht irrt. Wahrscheinlich weiß er nicht, dass die Kölner Volksschauspielerin Trude Herr es vorgezogen hatte, ihre letzten Lebensjahre auf den Fidschi-Inseln zu verbringen (die liegen auf dem Google-Satellitenbild gleich neben Samoa), und eben nicht in München, dieser angeblichen „mitteleuropäische Weltstadt“, wie man sie aus den betulichen ZDF-Krimis kennt, wo sich zumeist gruselige Greise in vornehmen Villenvierteln wie München-Bogenhausen tummeln. Ergo: als Kölner zieht man dann doch lieber in die Südsee. Außerdem liegt München auf dem Google-Satellitenbild rechts vom Rhein, d.h. aus Kölner Sicht auf der „Schäl Sick“, der schielenden Seite, auf der die Bajuwaren bekanntlich noch in feuchten Felshöhlen hockten, als man in Köln vor 2000 Jahren schon eine römische Fußbodenheizung kannte.

Bliebe noch der Tankstellenräuber Daniel A. zu erwähnen, der sich in falsch verstandener Noblesse immer von einem Chauffeur namens Heinz-Josef. L. zu seinen Tatorten vorfahren ließ und dort wegen seiner ausgesuchten Höflichkeit auffiel. Er soll nämlich immer „bitte“ gesagt haben, als er den Inhalt der Kasse begehrte. Er sei „aus gutem Hause“ und im Moment nur etwas klamm, gab Daniel A. in der Gerichtsverhandlung über seine guten Manieren und den Grund seiner Raubzüge zu Protokoll. Sein Chauffeur Heinz-Josef L. fiel im Gerichtssaal aus allen Wolken, als er wegen Beihilfe verknackt werden sollte. „Ich wusste doch nicht, dass das strafbar ist“, verteidigte er sich, blitzte damit allerdings aber beim Richter ab: „Sie sind wohl um keine Ausrede verlegen!“

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Ausgabe Nr. 67

Dienstag, 22. Juli 2008 8:40

Bärs Bestatterkritik Der neue Trend: Die Beerdigungsunternehmer werden wieder seriös. Vorreiter einer Abkehr von der Trauerfeier als Teil der Event-Kultur ist Christoph Kuckelkorn, der neuerdings bei der Gestaltung seines Schaufensters auf karnevalesk anmutende künstlerische Verstiegenheiten verzichtet und nur noch ernsthafte fotografische Porträts von sich mit informativen Texten über den Umfang seines Serviceangebots ausstellt. Lediglich eine winzige Ecke ist noch für einen Künstler reserviert, der hier den Entwurf seines „Jackenengels“ präsentiert – das ist ein Engel, der eine aparte hellblaue Jacke trägt. Ein Begleittext verrät, welche spirituelle und sentimentale Bedeutung der Künstler der Jacke beimisst. Der Bestatter-Konkurrent Pütz-Roth hat derweil den Bildhauer Lutz Fritsch zum „Jahreskünstler 2008“ seines Instituts ausgerufen, und der ist wiederum für die streng durchdachte Konzeptualität seines Werks bekannt und käme nie auf die Idee, einem Engel eine Jacke anzuziehen. Wozu auch? Herr Bär sieht das Ganze weniger spirituell, sondern praktisch: Das Leichenhemd reicht als Bekleidung für die Einäscherung völlig aus. Und als Engel friert man sowieso nicht.

Es behaupte niemand, mit der Deutschen Bahn zu fahren sei langweilig. Wer von Köln nach Aachen fährt, der bekommt nämlich unterwegs eine Denksportaufgabe gestellt. Warum heißt der Bahnhof von Eschweiler „Eschweiler Hbf“, obwohl Eschweiler nur einen einzigen Bahnhof hat?
An einer Straßenkreuzung in Köln-Ehrenfeld gibt es schon seit geraumer Zeit drei türkische Döner-Restaurants, und mit einer gewissen unternehmerischen Risikobereitschaft hat dort einer kürzlich noch einen vierten Döner-Imbiss aufgemacht. Direkt daneben residiert auch noch ein „Asia Snack“, und wer die örtlichen Besitzverhältnisse nicht kennt, der ist einigermaßen erstaunt, mit welch scheinbar rabiaten Methoden der „Asia-Snack“-Betreiber Kunden anzulocken versucht, indem er nämlich seine Speisekarte einfach beim Türken nebenan an den Eingang klebt. Wer also den Döner-Grill betritt, der liest an der Wand neben der Tür „Reis mit Hühnerfleisch und Sojasprossen“ nebst einer Aufzählung weiterer Gerichte, die unzweifelhaft nicht der türkischen, sondern der chinesischen Küche entstammen. Ob es bei ihm außer Döner, Sis Kebap und türkischer Lahmacun-Pizza tatsächlich auch Reis mit Hühnerfleisch nach chinesischer Art gäbe, wollte Herr Bär wissen, und der Büffetier antwortete: Bei ihm nicht, aber beim „Asia Snack“ nebenan. Und wieso er dann dulde, dass der Chinese von nebenan seine Speisekarte bei ihm an die Tür klebe, das sei doch geschäftsschädigend, begehrte Herr Bär weiterhin zu wissen. Nein, das sei schon in Ordnung, antwortete der türkische Imbissbetreiber, er sei ja gleichzeitig auch „der Chinese von nebenan“, denn ihm gehöre ebenso der „Asia-Snack“. Herr Bär dankte für die Auskunft und zog um einiges schlauer vondannen, denn er hatte erstens gelernt, wie die Globalisierung funktioniert und zweitens, wie man mit betriebswirtschaftlichem Kalkül das unternehmerische Risiko absichert, neben drei Döner-Restaurants noch ein viertes zu eröffnen.
Aber wenn man als Deutsche Bahn AG in Eschweiler nur einen einzigen Bahnhof hat, ist es ziemlich affig, ihn aufwerten zu wollen, indem man ihn „Eschweiler Hauptbahnhof“ nennt. Als ob dann tatsächlich mehr Einwohner von Eschweiler als bisher mit der Deutschen Bahn fahren würden. Aber der Hartmut Mehdorn glaubt das wahrscheinlich allen Ernstes.

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Ausgabe Nr. 66

Sonntag, 15. Juni 2008 9:59

Bericht aus Braunschweig Wo findet man den Slogan „Ein Reicher ist niemals zufrieden, aber ein Zufriedener ist immer reich“? Etwa in goldenen Lettern als Portalinschrift des Schweizerischen Bankvereins? Mitnichten! In einem Infokasten neben dem Haupteingang des Braunschweiger Doms! Hm, hm, nun ja, aber was soll ausgerechnet dieser Plakattext bei den innere Einkehr und Buße Suchenden bewirken, so fragte sich Herr Bär etwas ratlos und kam nach einigem Nachdenken dann doch noch zu einer schlüssigen Antwort: Reichliche Spenden in den Opferstock natürlich. „Modernes Kirchenmarketing“ nennt man das heute.

Manchmal recyclen sie fürs Kirchenmarketing auch Werbesprüche, die der Schweizerische Bankverein vorher rigoros abgelehnt hat, weil irgendeiner dieser cleveren und knallwachen „Gnome von Zürich“, wie man die Bosse des Schweizerischen Bankvereins umgangssprachlich auch nennt, in der Vorstandssitzung den Daumen konsequent nach unten senkte: „Meine Herrli Vorstandskollegeli, ich bitte Sie! Mit einer paradoxen Aussage für Bankgeschäftli zu werben war vor dreißig Jährli mal gang und gäbe, aber in unseren Tagen ist das weder kreativ noch originell!“

Wie wahr, wie wahr, abgesehen mal von dem komischen Deutsch, dass sie in der Schweiz zu sprechen pflegen. „Steuerflüchtli“ hört sich ja irgendwie putziger an als „Steuerflucht“, weswegen „die Reichen“ (BILD-Zeitung) oder „die Reicheli“ (Neue Zürcher Zeitung) sich in ihrer Unzufriedenheit in der auch ansonsten putzigen Schweiz höchst willkommen fühlen, nicht aber im Braunschweiger Dom, wo man ihre heuschreckenhafte Gier und Unzufriedenheit in einem Infokasten neben dem Hauptportal mit Bibelzitaten geißelt.
Bis Braunschweig hat sich allerdings noch nicht herumgesprochen, welch harsches Urteil man im wachen Vorstand des Schweizerischen Bankvereins über paradoxe Wortspiele in der Werbung zu fällen pflegt, denn dort in Niedersachsen residiert ein unbeholfener Werbedepp, der jüngst den Auftrag erhielt, für das berufliche Wirken eines Grundstücksmaklers mit einem zündenden Slogan Reklame zu machen. Und was fiel diesem schnarchigen tumben Werbeheini dazu ein? Ein Paradoxon! Nämlich die Zeile: „Wir bewegen Immobilien“.

Oh heilige Einfalt! Das darf doch nicht wahr sein! Als Herr Bär den Einwand wagte, das sei doch eine glatte Lüge, denn der Wortbedeutung nach seien Immobilien ja unbeweglich, was wohl jeder wisse, da sagte der sumpfeulenhafte Werbedepp triumphierend: „Stimmt! Das ist eine offensichtliche Lüge!“ Aber sie träfe sehr wohl den Nagel auf den Kopf, denn nirgendwo sonst werde doch so viel beschönigt, verschleiert, gelogen und betrogen wie ausgerechnet in der Immobilienbranche. Da werde z.B. in einer Annonce eine völlig baufällige und zugelärmte Bruchbude in der Einflugschneise des Flughafens schon mal als „Liebhaberresidenz für Hobby-Handwerker, mit günstiger Verkehrsanbindung ans internationale Luftverkehrsnetz“ ausgewiesen und eine dunkle Erdgeschosswohnung als „schattig“ und „in lebhafter Umgebung“ gelegen gepriesen, wenn es sich um eine Adresse an einer sechsspurigen und ebenfalls recht lauten Schnellstraße handelt. So könne man mit einer Lüge durchaus auch die Wahrheit verkünden. Das sei paradox und in dieser Paradoxität kreativ und originell, was seine Kunden in Braunschweig sehr wohl zu schätzen wüssten, nur eben die „Gnome von Zürich“ nicht.

Manchmal wird die Wahrheit allerdings auch aus geografischer Unkenntnis etwas gedehnt. Liegt Marokko in Europa? Eigentlich nicht, für den Besitzer eines mediterranen Imbiss-Grills auf dem Kölner Alter Markt allerdings fälschlicherweise schon. Der gute Mann bietet nämlich als „Menü“ zur derzeitigen Fußball-Europameisterschaft in der Schweiz und in Österreich in seinem Etablissement auf dem Kölner Alter Markt nicht etwa Käse-Fondue und Kaiserschmarrn an wie die meisten anderen Gastronomen in seiner Nachbarschaft, sondern – halten Sie sich fest! – ausgerechnet ein „Marokkanisches EU-Menü mit pikanter Merguez-Wurst“. Spielt die marrokanische Nationalmannschaft eigentlich bei der EM mit? Mitnichten! War also hier etwa auch der unbeholfene Braunschweiger Werbedepp am Werk? Ist es wirklich kreativ und originell, bei einer Fußball-EM im Alpenland ausgerechnet ein „marokkanisches EM-Menü“ auf die Karte zu setzen? Was sagen eigentlich die knallwachen „Gnome von Zürich“ dazu? Das hätte Herr Bär wirklich zu gerne gewusst, aber nun ja, das Bankgeheimnis, das Bankgeheimnis…

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