Beiträge vom April, 2007

Ausgabe Nr. 47

Dienstag, 3. April 2007 17:12

PR-Flops

Töricht geht es zu in jener Welt, wo Macht und Geld zu Hause sind, der Geist jedoch mitnichten. So verstieg sich jüngst Josef Ackermann zu der Einlassung, die Mannesmann-Affäre habe seinen Bekanntheitsgrad gehörig gesteigert, denn sein Name sei jetzt nämlich 58 % aller Bundesbürger geläufig. Nun wird das Vertrauen in eine Bank nicht unbedingt größer, wenn es deren Vorstandsvorsitzender ausgerechnet und dämlicherweise durch die Beteiligung an einem Abfindungsgelder-Skandal zu häufigen Erwähnungen in der „tagesschau“ bringt.

Und nicht immer führen Schlagzeilen gleich welcher Art dazu, dass man dann in den Adresskarteien der „Medien-Event“-Veranstalter mit dem Vermerk „Hoher Promi-Faktor“ geführt und zum Cocktailschlürfen eingeladen wird. Bei Günter Verheugen z.B. nützte das Verbreiten von Nacktfotos, die ein Paparazzi-Fotograf am FKK-Strand aufgenommen hatte, überhaupt nichts. Wer Verheugen vorher nicht kannte, der begeistert sich auch jetzt nach dem Betrachten der Fotos, wie die Natur ihn schuf, nicht für den faden EU-Kommissar. Und wenn man einen Günter Verheugen-Ähnlichkeitswettbewerb veranstalten wollte, müsste man schon einen üppigen Gewinn ausloben, um überhaupt jemanden zum Mitmachen zu bewegen.

Diese Tatsache sollte jedenfalls Josef Ackermann davon abhalten, durch das Verbreiten frivoler Schnappschüsse („Ackermann morgens beim Duschen“) seinen Bekanntheitsgrad über die magische Marke von 58 % hinaus noch weiter steigern zu wollen. Und wenn man erlebt hat, wie der als PR-Gag gemeinte Auftritt gründlich zur Hanswurstiade geriet, als der Umweltminister Sigmar Gabriel ungelenk und unbeholfen im Berliner Zoo durch das Bärengehege stapfte, sich dabei auch noch einbildend, der Beifall des Publikums gelte ihm und nicht dem drolligen Eisbärbaby neben ihm, da möchte man Ackermann ebenfalls dringend raten, er möge bloß nicht nackt auf einem Eisbärfell posieren oder im Zoo in einem Raubtiergehege herumtollen. Anderntags titelte nämlich die Boulevardpresse: „Knuddel-Knut rettet die Welt“, und eben nicht Sigmar Gabriel. Immerhin kommentierte Gabriel vor der Weltpresse, wie eine solche Schlagzeile zu verstehen sei: Der kleine Eisbär mahne uns zu einem umweltpolitischen Umdenken, denn wenn es am Nordpol kein Eis mehr gäbe, dann –so Gabriel mit entwaffnender Logik – gäbe es auch keine Eisbären mehr. Kaum vorstellbar ist hingegen die Schlagzeile: „Nackter Ackermann sensibilisiert uns für die Klimaerwärmung“, oder „Günter Verheugen verhindert das Abschmelzen der Polkappen“.

Der erste deutsche Politiker, der einen Bären für eine PR-Kampagne missbrauchte, war übrigens Eberhard Diepgen gewesen, der mit viel medialem Getöse höchstpersönlich das Panda-Weibchen Yan Yan aus Peking abgeholt hatte. Immerhin gewann Diepgen mit diesem Coup eine Wahl, da nämlich die Kandidatin der politischen Konkurrenz – wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hämte – lediglich eine „Bratwurstvergiftung und eine neue Frisur“ ins Feld zu führen wusste und damit gegenüber dem Panda als Diepgen-Maskottchen kläglich scheiterte. Inzwischen ist aber auch Diepgen wieder abgewählt und Yan Yan tragischerweise im Berliner Zoo verendet.

Eine PR-Hanswurstiade leistete sich auch jüngst die Deutsche Bahn, als sie im Hauptbahnhof von Mönchengladbach ein Werbeplakat aufhing: „Unsere Gleisbaustellen bringen Sie aus dem Fahrplantakt“. Wie wahr, wie wahr, rief Herr Bär beim Anblick dieses Plakats aus. Immerhin endlich mal eine Werbung, die nicht lügt, mit der sich aber kaum neue Fahrgäste gewinnen lassen.

In der Nähe des Mönchengladbacher Hauptbahnhofs gibt es übrigens einen Imbiss namens „Mic Mac“, der als Spezialität ein „Monstermenü“ anbietet, was aus einem „Monsterburger mit pommes frites“ besteht. Wer fällt eigentlich in unserem Zeitalter des Wellness-, Fitness-, Diät- und Schlankheitswahns noch auf solche Offerten herein? Manchmal gibt man sich ja ganz gerne einer kleinen kulinarischen Sünde hin, aber muss es gleich ein „Monsterburger“ sein? In Mönchengladbach offensichtlich schon.

Thema: Bär Aktuell | Kommentare (0)