Beiträge vom Juni, 2007

Ausgabe Nr. 49

Freitag, 1. Juni 2007 17:02

Afrikanische Musik

ist in Köln-Ehrenfeld auf der Subbelrather Str. bei J.P. Mbaba erhältlich. Woher Herr Bär das weiß? Nun, der Ladeninhaber J.P.Mbaba ließ eine beschriftete Klebefolie anfertigen, die auf der Schaufensterscheibe über den Namen seines Geschäfts („Strategie Cologne“) und dessen Sortiment („CD, DVD und Cassetten mit African Music“) informieren soll. Freilich hatte Herr Mbaba oder ein von ihm beauftragter Schussel die Schaufensterscheibe falsch ausgemessen, so dass sich die beschriftete Klebefolie letztlich als zu breit erwies. Was geschah nun? Gab Herr Mbaba etwa eine neue Folie in Auftrag? Nein, das wäre ja nur rausgeschmissenes Geld gewesen. Er verzichtete einfach pfiffigerweise auf ein paar Buchstaben in der Mitte, so dass nun auf der Schaufensterscheibe der Name „Strategieologne“ prangt und sich „Cassetten“ zu „Cassen“ verkürzt. „Su jeht et och“, kommentierte Herr Bär und schlenderte gut gelaunt weiter.

Beim Filialleiter des REWE-Supermarkts auf der Venloer Str. ist hingegen eine zwanghafte Umgestaltungsneurose zu diagnostizieren, denn kaum hat man sich daran gewöhnt, dass Spülmittel jetzt dort zu finden sind, wo früher die Dosensuppen im Regal standen, da lässt der gute Mann ein paar Monate später sämtliche Regale erneut komplett umräumen. Neue Erkenntnisse im Marketing können sich eigentlich nicht so schnell eingestellt haben, denn erst, wenn jahrelange Studien erfolgt sind, ob der Kaufreiz bei Spargel eher geweckt wird, wenn direkt neben der Spargelkiste Erdbeeren stehen (nein, denn 87 % der Kunden greifen in solch einer Situation eher nach dem saftigen Signalrot der Erdbeeren als nach dem fahlen Weiß des Spargels), ergeht normalerweise die Anweisung an alle Filialleiter, den Spargel künftig gefälligst neben dem Weißkohl zu platzieren, weil der ernährungsbewusste Kunde dann eher nach den schlanken Spargelstangen als nach dem dicken Kohlkopf greift. Irgendwann fällt ihnen dann auf, dass keiner mehr Weißkohl kauft, und sie geben eine neue Studie in Auftrag.

Doch zur Pflege seiner Umgestaltungsneurose mag der Filialleiter von Herrn Bärs Lieblingssupermarkt nicht so lange warten, bis endlich wieder eine neue verkaufspsychologische Studie vorliegt, und so hat er gerade jetzt erst vor wenigen Tagen eigenmächtig über Nacht und aus völlig heiterem Himmel das Zeitungsregal genau dort aufbauen lassen, wo bisher die Mineralwasserkästen standen. Und wo man früher gerne in den Zeitungen herumblätterte, trotz des Schildes „Herumblättern verboten“, und schon mal mit dem Kreuzworträtsel anfing, damit derjenige, der die Zeitung dann tatsächlich kauft, es mit dem Ausfüllen der restlichen Rätselkästchen etwas einfacher hat, da zieht jetzt das Weinregal die Blicke auf sich.

Um allerdings seine Kundschaft vollends zu verwirren, hat der Filialleiter die alten Schilder an den Regalen gelassen. Fragt man nun eine Mitarbeiterin, die gerade Joghurtbecher einräumt, wo denn jetzt der Kaffee zu finden ist, dann antwortet sie: „Schauen Sie doch mal bei dem Schild Babykost nach!“ Manchmal kommen auf Geheiß der Zentralverwaltung Testkäufer in die Filiale, und wenn dann auf ihre Frage, wo denn die Klobürsten sind, wie aus der Pistole geschossen die Antwort kommt: „Bei Mehrweggetränke“, dann sagen die Testkäufer anerkennend: „Donnerwetter, dieser Filialleiter hat sein Personal aber gut im Griff! Die wissen Bescheid!“ Und so ist außer Herrn Bär bislang noch niemandem aufgefallen, dass der Mann insgeheim seine Umgestaltungszwangsneurose auslebt.

Thema: Bär Aktuell | Kommentare (0)