Beiträge vom August, 2007

Ausgabe Nr. 53

Freitag, 3. August 2007 16:41

Bär polyglott

Unterwegs mit Herrn Bär Jüngst unternahm Herr Bär eine Pilgerreise in den nordfriesischen Wallfahrtsort St. Peter-Ording, der berühmt für seinen Schnitzaltar aus dem 15. Jh. in der Petrikirche ist. Das erste, was Herr Bär nach Verlassen des Bahnhofs zu sehen bekam, war freilich ein Schild, das für ein „Winzerfest“ warb. Als Herr Bär im Ortskern auch noch ein Restaurant „Loreley“ erblickte, wähnte er sich vollends in St. Goar am Rhein. Doch ein Blick auf die Speisekarte dieses Restaurants belehrte ihn eines Besseren, denn ein „Krabbenbrot mit Spiegelei“ ist dort als „Lotsenfrühstück“ etikettiert, und Herr Bär schloss messerscharf, dass ein Gastronom in St. Goar am Rhein wohl kaum ein „Lotsenfrühstück“ auf seiner Speisekarte notieren und dies in gründlichem Missverstehen der neuen Rechtschreibregeln auch noch als „Lotzenfrühstück“ mit „z“ buchstabieren würde. Dafür hat man in der lutheranischen Petrikirche den katholischen Brauch des Gebetkerzenanzündens eingeführt, was wohl als ein Zeichen für schleswig-holsteinische Weltoffenheit in Sachen Glaubensritualen zu interpretieren ist, und wer anschließend auch noch die „Husumer Hafentage“ besucht, dem kredenzt man dort – halten Sie sich fest! - eine „Currywurst de luxe“ mit einem Glas Prosecco, was wiederum als ein Beispiel für eine Innovationsbereitschaft auch in profanen Dingen gelten mag. Nein, diese Friesen! rief Herr Bär das eine um das andere Mal aus. Als ein rechter Schelm entpuppte sich ebenfalls der Strandkorbverleiher, der auf einem Schild verkündete, ab 13.30 Uhr bekäme man bei ihm einen Strandkorb für die halbe Tagesmiete; allerdings war auf diesem Schild ebenfalls zu lesen, dass der Verleiher täglich von 12 bis 14 Uhr Mittagpause macht. Dass der Strand im Werbeprospekt des örtlichen Verkehrsamts als „ dynamischer Fun Beach“ apostrophiert wird, findet Herr Bär freilich höchst albern. Urteil: Wer als Pilger Buße tun und sich geißeln und kasteien möchte, der rutsche eher auf Knien ins niederrheinisch-strenge Kevelaer und nicht zum „dynamischen Fun Beach“ von St. Peter-Ording mit seinen ausufernden Winzerfesten.

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