Beiträge vom September, 2007

Ausgabe Nr. 55/56

Mittwoch, 19. September 2007 14:37

Eine neue Marktlücke entdeckt hat der Betreiber eines Hundebedarfsladens auf der Dürener Str. in Köln-Lindenthal, der für die kalte Jahreszeit nicht nur Regendeckchen und Wollpullöverchen für Vierbeiner anbietet, sondern auch komplette Karnevalskostüme. Wie Herrn Bär zu Ohren kam, ist bei den Kunden derzeit das Piraten-Kostüm Favorit Nr. 1, wenn der jecke Fiffi auf der Prunksitzung mitschunkeln soll, während hingegen das Briefträger-Kostüm sich eigenartigerweise keiner großen Beliebtheit in Hundekreisen erfreut.
45 % aller SPD-Anhänger glauben, Peer Steinbrück sei in der CDU. Hm, hm… Oskar Lafontaine ist nicht mehr in der SPD, das zumindest ist sicher, und vom etwas unscheinbar-verhuscht wirkenden CDU-Generalsekretär Pofalla weiß man immerhin soviel, dass er Reinhold, Roland oder Reginhart mit Vornamen heißt, aber nicht Peer. Doch es sind noch mehr merkwürdige Verwechslungen zu notieren: Der in Sachen Geografie schon früher gelegentlich schwächelnde George Bush hat kürzlich bei einer Truppeninspektion im Irak die australischen Soldaten für Österreicher gehalten. Wahrscheinlich hört sich in den Ohren von George Bush Australisch so ähnlich an wie das Englisch, das Arnold Schwarzenegger spricht.
Wo es im Weltgeschehen dermaßen burlesk zugeht, durfte jüngst auch der US-Künstler Jon Kessler mit seinem Beitrag zur Ausstellung „New York – States of Mind“ im Berliner Haus der Kulturen der Welt eine etwas infantile Weltsicht offenbaren. Auf ein Foto von George Bush hatte Kessler nämlich ein Bild des Eisbären „Knuddel Knut“ geklebt und dabei ein Attentat simuliert: Das Bild zeigt auf der Stirn des Tieres ein Blutrinnsal wie von einem Kopfschuss. Als Interpretationshilfe zum Verständnis seines Werks lieferte Kessler eine reichlich bizarr anmutende Gleichsetzung des Eisbären mit dem ermordeten John F. Kennedy: „Die Deutschen lieben Knut, so wie die Amerikaner Kennedy geliebt haben“. Wer schon immer ahnte, dass Computer-Suchmaschinen nicht intelligent sind, der findet den Beweis auf der Online-Seite des Berliner „Tagesspiegel“, wenn er unter „Berlin“ die Rubrik „Aktuelle Themen“ und dann das Stichwort „Knut“ anklickt: Zuerst kommt wie erwartet die Meldung „Knuddel-Knut wird neun Monate alt“ und dann an zweiter Stelle aus völlig unheiterem Himmel zum Stichwort „30 Jahre Deutscher Herbst“ ein Beitrag über das RAF-Mitglied Knut Folkerts – in diesem Kontext nicht minder obskur anmutend als das Anti-Knut-Kunstwerk von Jon Kessler. Warum man unterdessen in der kommenden Karnevalssession Hunde nicht als Eisbären kostümiert, ist einsichtig. Man müsste sich dann nämlich dumme Bemerkungen gefallen lassen, wie zum Beispiel jene: „Sagen Sie mal: Geht Ihr Hund etwa dieses Jahr als Wolf im Schafspelz?“

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Bärs unplugged painting

Montag, 17. September 2007 15:27

“Bär aktuell” im Gespräch mit Karl-Josef Bär

Bär aktuell: “Herr Bär, Sie haben den berühmten Lohengrin porträtiert. Auf dem Bild sieht man nur die Burg von ihm, aber nicht den Lohengrin selbst”.

Bär: “Jojo, dat is ein bisschen blöd, dat dä Lohengrin nit mit auf däm Bild is. Eijentlich sollte dä ja als MondrippenSchwanenritter mit einem Kahn durch den Seerosenteich im Mittelgrund des Bildes rudern. Aber dat hat däm dat Grünflächenamt verboten. Damit die Seerosenblätter nit kaputt gehen…”

Bär aktuell: “Und ein Schwan ist auf dem Bild auch nicht zu sehen!”

Bär: “Däm Schwan is dat im September hier schon zu kalt. Der is nach Süden weiterjeflogen!”

Bär aktuell: “Aber Herr Bär, ein Schwan ist doch kein Zugvogel!”

Bär: “Nä? Ich glaub, ich gebe dem Bild lieber einen anderen Titel. Dat heißt jetzt ‘Mondrippen’. Da kann keiner drüber meckern.”

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Ausgabe Nr. 54 a

Freitag, 7. September 2007 16:45

Reisen bildet – findet Herr Bär

Wer sich im Ehrenfelder Bezirksrathaus (Venloer Str. 410-421, Vernissage Donnerstag, 7. 9., 19 Uhr Ausstellung bis 5. Okt.) die Ausstellung des Vereins Kultur Köln 30 mit der Malerin Uta Schotten angesehen hat, und dann noch mehr von dieser Künstlerin sehen will, der fahre nach Wuppertal in die Galerie Epikur von HP Nacke (Friedrich-Engels-Allee 165, bis 15.9.). Vom Wuppertaler Hbf drei Stationen mit der Schwebebahn Richtung Oberbarmen – man kann mit der Wuppertaler Schwebebahn übrigens auch einen Elefanten transportieren, die Bahn ist dafür stabil genug. Allerdings sieht man selten Elefanten in der Wuppertaler Schwebebahn, und dass es sie überhaupt gibt, weiß man in China noch nicht, wo man ansonsten bekanntlich gerne Produktpiraterie und Industriespionage betreibt. Bislang haben chinesische Computer-Hacker sich jedenfalls noch nicht bei den Wuppertaler Stadtwerken eingehackt, sondern nur im US-Verteidigungsministerium und im deutschen Bundeskanzleramt. Auf dem Rückweg kann man sich im Wuppertaler Von-derHeydt-Museum die vorzüglich arrangierte „Symbolismus“-Ausstellung ansehen (bis 30.9.), die nur einen Schwachpunkt hat, nämlich einen Beitrag des im Kunstbetrieb einfach gründlich überschätzten Jonathan Meese. Neben den grandiosen Bildern eines Gustave Moreau wirkt Meese jedenfalls wie ein hochstaplerisch veranlagter Dilettant, der nicht malen kann oder zumindest so tut, als könne er es nicht. Im Obergeschoss gibt’s noch ein Kunstwerk zu sehen, dass der jetzt beim 1. FC Köln wirkende Fußballtrainer Christoph Daum mitgestaltet hat, nämlich einen Fan-Kiosk des Istanbuler Vereins Besiktas als Skultur. Als Künstler ist Christoph Daum jedenfalls überzeugender als Jonathan Meese. Wahrscheinlich kann Meese aber auch nicht Fußballspielen.

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Ausgabe Nr. 54

Mittwoch, 5. September 2007 12:36

Edmund Stoiber soll, äh, Bundespräsident werden? Warum nicht? Herr Bär freut sich schon auf Stoibers Neujahrsansprachen im Fernsehen, die eine wunderbare Medientradition fortsetzen werden. Allerdings ist auch von Stoiber jene Ansprache aus den sechziger Jahren kaum zu toppen, die der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke stur und monoton vom Blatt ablas. Als das Blatt zu Ende war, stockte Lübke: „Und nun wünsche ich allen Bürgerinnen und Bürgern ein frohes….“ Lübke drehte das Blatt um und las weiter: „… neues Jahr“. Millionen Zuschauer klopften sich in diesem Moment lachend auf die Schenkel, und fortan erzählte man sich über den schon etwas schusseligen Bundespräsidenten gar wunderliche Anekdoten. Die Zeitschrift „pardon“ brachte eine Schallplatte heraus („Redet für Deutschland“) mit Originalmitschnitten von Lübke-Reden, lange bevor es den Begriff „Real-Satire“ im deutschen Sprachschatz gab, und Lübkes Texte gelten noch heute als das beste, was Politiker an unfreiwilliger Komik zu bieten haben. Dass Heinrich Lübke bei einem Staatsbesuch in Afrika eine Rede sogar mit den Worten „Meine Damen und Herren, liebe Neger…“ begonnen haben soll, ist allerdings wirklich reine Legende. Als Helmut Kohl Bundeskanzler war, strahlte das ZDF einmal seine Weihnachtsansprache vom Vorjahr aus, was wirklich keiner merkte, außer Kohl selbst, dem zwar auch nicht auffiel, dass er tatsächlich so ungefähr dasselbe erzählte wie im Vorjahr, aber er konnte sich noch messerscharf daran erinnern, dass er bei der Aufzeichnung der neuen Ansprache doch eine ganz andere Krawatte getragen hatte als sie nun auf dem Bildschirm zu sehen war… Und 2009 soll also – wenn es nach zwei CSU-Politikern geht -  Edmund Stoiber von Wolfratshausen nach Berlin umziehen, wovor er schon einmal zurückschreckte, weil jemand, der nur die bayerische Provinz gewöhnt ist, schon seine Schwierigkeiten hat, in der Großstadt zurecht zu kommen. Es ist z.B. kaum vorstellbar, dass Stoiber mit dem kubanischen Botschafter in einer eleganten Berliner Cocktailbar versackt und ihm das Originalrezept eines „Mojito“-Cocktails erklärt, so wie Hemingway ihn damals auf Kuba trank, wenn er vom Angeln zurück kam, was zwar nicht unbedingt zu den Amtspflichten eines Bundespräsidenten gehört, aber es kann ja für das internationale Ansehen der Bundesrepublik nicht schaden, wenn deren Präsident in jeder Situation weltläufig aufzutreten weiß. Aber manch einer ist ja mit seinem Amt gewachsen, und wer weiß, vielleicht erleben wir den Edi noch in jener Paraderolle als Grandseigneur, wie sie bislang  dem Schauspieler Friedrich Schoenfelder vorbehalten war, der freilich jetzt im Alter von 94 Jahren verkündete, er zöge sich von der Bühne zurück, denn er wolle nicht so enden wie Johannes Heesters, den sie bei irgendwelchen Gala-Veranstaltungen mit seinen stolzen 103 Jahren noch immer mit Zylinder und weißem Schal ausstaffieren und mit schon reichlich brüchiger Stimme „Heut geh ich ins Maxim“ singen lassen. Vielleicht erlebt Herr Bär es ja noch mal, dass ein Politiker sagt: „Ich ziehe mich rechtzeitig aus der aktiven Politik zurück, denn ich möchte nicht so enden wie Edmund Stoiber“.

Gut gefallen hat Herrn Bär auch die Boulevard-Story von dem japanischen Kannibalen, der lediglich 15 Monate in der Psychiatrie verbringen musste und dem die Rolling Stones den Song „Too much blood“ widmeten. Heute arbeitet der Mann ausgerechnet als Restaurantkritiker, und als der Reporter ihn fragte, was ihn denn zu dieser Tätigkeit prädestiniere, da antwortete er, er sei der einzige Gastronomiekritiker, der schon einmal Menschenfleisch zubereitet hätte, das schmecke mit Salz und Senf am besten.

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