Beiträge vom Oktober, 2007

Wie der untote Herr Bär seine Bilder erklärt II

Donnerstag, 25. Oktober 2007 10:22

“Herr Bär, das Bild trägt den Titel “Bien travailler, bien s’amuser”: ‘Gut arbeiten, sich gut amüsieren’ heißt das übersetzt.

Bär: “Jojo, dafür muss mer französisch künne. Dat han ich mal in Belgien als Inschrift op däm Einjang zu ener alten Fabrik jesinn”.

“Aber Herr Bär! Das Bild zeigt ja gar keine belgische Landschaft, sondern steinerne japanische Leuchten zum Gedenken an die Ahnen”.

Bär: “Ich han mer jedacht, heutzetage muss de wat global sein mit dinger Kunst. Deswejen han ich auch noch ‘ne feinsinnige Anspielung op dat japanische Arbeitsethos mit einjebaut.

“Hm, hm, Herr Bär… japanische Ahnenlaternen und ein frankophon klingender Titel über das japanische, pardon, eigentlich ja doch eher über das belgische Arbeitsethos? Das geht doch irgendwie nicht zusammen!”

Bär. “Enä, dat jeht et och nit. Ävver dat is ja dat Feinsinnige daran, un außerdem nennt man dat jetzt ‘Crossover-Ikonografie”. Hört sich doll an, ne? Wenn ich jetzt jesacht hätte, dat wör Surrealismus, dann hätte jeder abgewunken: Och nä, Herr Bär, dat is doch ein alter Hut! Dat is doch billige Retro-Kunst! Ävver ‘Crossover-Ikonografie’, dat klingt irgendwie beeindruckend. Keiner weiß jenau, wat dat ist, ävver jeder säht, och, Herr Bär, da han Se sich aber wat Neues einfallen lassen!”

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Ausgabe Nr. 58

Montag, 22. Oktober 2007 12:27

Eine ziemliche Schnapsidee war mit Sicherheit das Ansinnen der Familienministerin Ursula von der Leyen, Kinder als Testkäufer loszuschicken, um die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes zu überprüfen. Herr Bär stellte sich vor, wie die Kinder der Ursula von der Leyen als Tester in einem Kiosk die Bestellung aufgeben:

 

„Eine Flasche Schnaps bitte!“

Fragt der Kioskbesitzer. „Für euch?“

„Nein, für unseren Vater“.

 

Und was machen die von der Leyens nun mit all dem Schnaps? Herr Bär stellt sich weiterhin vor, wie der alte von der Leyen zu Hause auf dem Sofa sitzt, mit wirren Haaren, unrasiert und im Unterhemd, und einen der Testkäufe nach dem anderen wegputzt. Ursula von der Leyen soll ja ein bisschen etepetete sein, und so entrüstet sie sich: „Heiko, du bist ja betrunken! Und wie du wieder aussiehst!“ Wenn sie dann auch noch eine abfällige Bemerkung über seine Schnapsfahne macht, kontert der alte von der Leyen gewitzt mit dem Zitieren eines Gedichts des berühmten rheinischen Dichters Johannes Theodor Kuhlemann:

 

„Genüsslich ist’s, nach Schnaps zu riechen, in einer Gesellschaft wo man das nicht darf“.

 

Wie Herrn Bär zu Ohren gekommen ist, soll Ursula von der Leyen ihre Idee, Kinder als Testkäufer einzusetzen, inzwischen wieder aufgegeben haben. Und wenn jetzt die Kinder der von der Leyens den Kiosk frequentieren, spielt sich folgender Dialog ab:

 

„Eine Flasche Limonade bitte!“

„Für euch?“

„Nein, für unseren Vater“.

„Warum trinkt euer Vater jetzt Limonade?“

„Unsere Mutter ist ein bisschen etepetete und sie mag nicht, wenn Vater dauernd nach Schnaps riecht. Deswegen muss er jetzt immer Limonade trinken“.

 

Wenn sich später mal die ersten Neurosen einstellen, beklagen sich die kleinen von der Leyens, sie hätten eine schwere Kindheit gehabt. Sie seien schon im zarten Alter ganz brutal gezwungen worden, als Testkäufer zu arbeiten. Aber sie durften ihre Einkäufe nie behalten, denn der rabiate Vater hätte ihnen zu Hause immer den Schnaps und sogar die Limonade weggesoffen. Nur wenn der Vater auf dem Sofa hundemüde eingepennt sei, unrasiert, mit wirren Haaren und im Unterhemd, dann hätten sie, die kleinen von der Leyens, sich heimlich ins Wohnzimmer geschlichen und die kargen Reste aus den Flaschen ausgetrunken. Und in diesem Moment ist Herr Bär ganz froh, dass ihm eine solche freudlose Kindheit erspart geblieben ist.

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Ausgabe Nr. 57

Montag, 8. Oktober 2007 10:23

Oh heilige Einfalt Auf dem Sofa anschnallen, „Tagesthemen“ einschalten. Bericht vom CSU-Parteitag – eine Sternstunde des politischen Karrierismus flimmert über den Bildschirm! Salzstangen bereitgestellt, weiteres Knabbergebäck, und als Herr Bär die erste Tüte Chips öffnet, gibt der frisch gewählte neue CSU-Vorsitzende Erwin Huber sein erstes Interview. Egal, was man ihn fragen würde: Huber hat sich als Antwort schon vorher einen Satz zu recht gelegt, in dem auf jeden Fall die Floskel „unsere bayerische Heimat“ vorkommen muss. Und man ahnt schon bei der ersten Antwort, was Gerhard Schröder wohl meinte, als er zum Abschied seinem einstigen Wahlkampfgegner Edmund Stoiber bescheinigte, er sei „Bundesliga“ gewesen, aber was nun nach ihm, Stoiber, in der CSU käme, das sei hingegen nur noch „Kreisklasse“.

Die Frage lautet, ob Huber denn im Unterschied zu seinem Vorgänger Stoiber bereit wäre, auch „Verantwortung in Berlin“ zu nehmen. Erwin Huber ist froh, einen Einblick in seinen politischen Horizont geben zu dürfen: Er fühle sich nicht nur „unserer bayerischen Heimat“ verpflichtet, sagt er, sondern auch „unserem deutschen Vaterland“. Erster Eindruck vom neuen CSU-Vorsitzenden: Huber stottert nicht wie Stoiber, aber er zernuschelt die Satzanfänge. Statt „aber was“ sagt er „am was“. Klingt phonetisch ein bisschen so, als ob er vor Freude über seine Wahl zum Vorsitzenden gerade eine Maß Bier auf ex heruntergekippt hätte.

Dann ist als nächster Interviewpartner der designierte neue Ministerpräsident Günther Beckstein dran, den man fragt, ob er die Politik von Edmund Stoiber fortsetzen werde, worauf Beckstein einigermaßen treuherzig antwortet, Stoiber könne man nicht kopieren, er werde daher eigene Akzente zu setzen versuchen. Manchmal ist man doch froh, dass in den „Tagesthemen“ solche Sendebeiträge nur 90 Sekunden dauern. War die Ära Stoiber mit dem visionären Gleichklang bei einer Utopie von „Laptop und Lederhose“ verbunden, so bleibt es bei Kreisklassen-Huber wohl allein bei der Lederhose. Nächster Eindruck von Herrn Bär: Trotz seiner doppeldeutigen Bemerkung über die Unmöglichkeit, Stoiber zu kopieren, was ein wenig wie ein vergiftetes Lob klang, versucht Günther Beckstein erst gar nicht, intellektuell und weltläufig zu wirken. Dass sie eines fernen Tages mal einen Beratervertrag bei der Gazprom angeboten bekommen, ist weder bei Huber noch bei Beckstein vorstellbar, bei Stoiber übrigens auch nicht, trotz der Schröderschen Weihe zum politischen Bundesligisten. Stattdessen darf Edmund Stoiber demnächst in Brüssel mithelfen, die EU zu entbürokratisieren, und Herr Bär ahnt, dass seine jetzigen Nachfolger in München Edi Stoiber eines Tages wohl auch bei diesem Job in Brüssel beerben wollen, weshalb Erwin Huber schon mal den Satz übt, er sei nicht nur bereit, in „unserer bayerischen Heimat“, sondern auch „in unserem europäischen Vaterland“ Verantwortung zu übernehmen.

Zu Wort meldete sich ebenfalls der Deutsche Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, er habe sich als Schuljunge gerne für die Schwächeren geprügelt, wohl gemerkt: für die Schwächeren und nicht mit ihnen. Auf die Frage, was ihn denn sonst noch im Leben gereizt hätte, antwortete Mehdorn, der Vorstandsvorsitz bei Porsche. Wer jemals von stets verdreckten, überfüllten und unpünktlichen Zügen der Deutschen Bahn die Schnauze voll und sich daraufhin als Alternative einen Porsche zugelegt hatte, der zuckte bei diesem Statement erschaudernd zusammen und freute sich, dass man Hartmut Mehdorn diesen Job nicht angetragen hat. Wenn sie das karrieretechnische Verfallsdatum erreicht haben, werden Politiker von ihren Parteifreunden gerne in die EU oder in die freie Wirtschaft abgeschoben. Wenn er eines fernen Tages also doch nicht Stoiber um seinen Sitz in der Brüsseler Entbürokratisierungsexpertenrunde beerben kann, bleibt Erwin Huber immer noch die Alternative zu sagen, er sei auch bereit, „bei Porsche Verantwortung zu übernehmen“. Ob Erwin Huber einst auf dem Schulhof die Schwächeren verprügelt hat oder nicht, werden sie dann in der Personalabteilung zwecks Beurteilung des Huberschen „Durchsetzungsvermögens“ bestimmt wissen wollen. Vielleicht war genau das der springende Punkt, warum Mehdorn den Job bei Porsche nicht bekommen hat.

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Wie der untote Herr Bär seine Bilder erklärt

Donnerstag, 4. Oktober 2007 15:41


Karl-Josef Bär, Jürgen Raap “Wie der untote Herr Bär seine Bilder erklärt”, Performance, artemiade-Festival, Köln-Zollstock, 2. Sept. 2007.

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Bild des Monats

Montag, 1. Oktober 2007 14:10

“Bär aktuell” im Gespräch mit Karl-Josef Bär

“Bär aktuell”: Herr Bär, das ‘Bild des Monats’ ist diesmal ganz in Blau gehalten: das ist die Farbe des Himmels, des Ätherischen, des Spirituellen…

Bär: Jojo, ich mööch ens jern wissen, war dä Kardinal Meisner dazu sagt!

“Bär aktuell”: Aber der Kardinal soll doch so streng sein?

Bär: Ija, dat stimmt. In Köln jibt et die jeflügelte Redensart: Wenn dä Kardinal Meisner op de Straße tritt, dann hören vor lauter Furcht sojar die Domtauben auf, ihre Exkremente auf dem Gestein des Doms auszuscheiden, um dat mal wat vornehm auszudrücken.

“Bär aktuell”: Und Sie haben keine Angst, Ihr Bild würde unter das fallen, was der Kardinal als ‘Entartung der Kultur’ bezeichnet hat?

Bär: Enä, wieso dat dann? Da is doch links ein Kirchturm mit drauf. Dat jefällt dem bestimmt! Ävver dä Kirchturm han ich nit wejem däm Kardinal Meisner mit op dat Bild jemalt, sondern aus kompositorischen Gründen. Weil rechts ‘ne Leuchtturm ist, muss links als Gegengewicht ‘ne Kirchturm sein.

“Bär aktuell”: Sie hätten aber auch zwei Leuchttürme malen können?

Bär: Enä, ich wiederhole mich nit so jern. Nachher hätte dä Kardinal noch jeglaubt, däm Bär is widder nix einjefallen, deswejen hat dä den Leuchtturm gleich nochmal jemalt. Da hätte dä Bär doch lieber einen Kirchturm jenommen. Ävver so wie et jetzt is, do hätt dä Meisner an dem Bild nix ze kritisiere…

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