Beiträge vom Januar, 2008

Ausgabe Nr. 62

Montag, 21. Januar 2008 15:13

Wann immer es dem Verfall der Sitten Einhalt zu gebieten gilt, ist der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner nicht weit. Damit es an den derzeitigen tollen Tagen in Köln nicht auch noch zu einer Ballermannisierung katholischer Gottesdienste kommt, besorgte der Kirchenfürst jüngst eine „Aktualisierung“ der erzbischöflichen „Handreichung zu Brauchtums- und Mundartmessen“, die einer seiner Vorgänger 1979 erlassen und die Meisner in seiner Neufassung jetzt „ausführlicher“ kommentiert hat. So findet der Kardinal, es sei „unangebracht“, in einem Karnevalskostüm zum Gottesdienst zu erscheinen. Das ist ja noch einsichtig. Herr Bär stellt sich vor, da würde sich einer als Kardinal verkleiden, und dann ist er beim Hochamt womöglich vom echten Meisner nicht mehr zu unterscheiden. Womöglich erklimmt der verkleidete Narr dann noch die Kanzel und erzählt der Gemeinde Kardinal-Meisner-Witze: „Dä Meisner hätt sich jetzt ein Doppelbett jekauft, damit dä sich auch zu Hause quer legen kann.“ Doch dem schob der Oberhirte rasch einen Riegel vor: Eine Predigt dürfe zwar auf kölsch abgehalten werden, aber, so mahnt der Kardinal, „das schlechte Gegenbeispiel wäre eine mundartliche Predigt, die von einer Büttenrede nicht zu unterscheiden ist“. Also doch keine Kardinal-Meisner-Witze von der Kanzel! Nun gleichen sich Bütt und Kanzel allerdings nicht nur rein zufällig von der Form her, wie auch die karnevalistischen Umzüge ursprünglich ja wohl eher Persiflagen auf kirchliche Prozessionen waren und erst seit dem 19. Jh. Parodien auf Militärparaden sind. Der rheinische Diakon Willibert Pauels, im Nebenberuf Büttenredner, verweist gerne darauf, dass die Pfarrer früher in ihre Osterpredigt immer einen Witz einbauten und so bei der Gemeinde ein die Seele befreiendes „Osterlachen“ auslösten.

Deshalb kann Herr Bär durchaus nachvollziehen, dass an der Kirchenbasis über die Strenge des Kardinals bisweilen ein wenig gemurrt wird. So ließ sich Gerhard Herkenrath, Pfarrvikar an St. Alban, im „Kölner Stadtanzeiger“ mutig zitieren, er fände das erzbischöfliche Liturgie-Papier „etwas kleinkariert“. Und Hans A. Fey, der „Baas“ (Vorsitzende) des Köln-Ehrenfelder Arbeitskreises „Mess op kölsch“, kommentierte süffisant, er habe die Richtlinien „zur Kenntnis genommen“; im übrigen wisse der Arbeitskreis sehr wohl, wo die Grenzen des guten Geschmacks lägen: z.B. den Bläck-Fööss-Evergreen „Drink doch ene met“ als „Kirchenlied zur Opferung“ singen zu lassen, das wäre wohl „nicht die richtige Form“.

Derweil barmte die „BILD-Zeitung“, es sei doch wohl höchst zweifelhaft, ob die beiden Nachwuchs-Eisbären „Flocke“ und „Knut“ sich eines Tages tatsächlich zum „Traumpaar der Tierwelt“ zusammenfänden, denn der Berliner Eisbärenknabe Knut sei „womöglich schwul“, weil er zu sehr „auf seinen Pfleger fixiert“ sei; er könne daher mit dem Nürnberger Eisbärenmädchen Flocke „ überhaupt nichts anfangen“.

Ein kritischer Tierforscher setzte noch einen drauf und verkündete, die Handaufzucht im Zoo habe aus Knut sogar einen „Psychopathen“ gemacht. Kaum geisterten die Fotos von der am Fläschchen nuckelnden „Flocke“ durch die Gazetten, machte sich in der Redaktion des Berliner „Tagesspiegel“ eine düstere Stimmung breit. Den Berlinern begannen die Gefahren einer geografischen Verlagerung des lokalen Eisbären-Hypes heraufzudämmern, d.h. sie begannen um den Verlust der medialen Aufmerksamkeit samt kommerzieller Nebeneffekte wie Fanartikel-Merchandising von Berlin nach Nürnberg zu fürchten, und deshalb befand der „Tagesspiegel“ in einem Kommentar barsch, „Flocke“ könne doch wohl gegen Knut „nicht anstinken“.

Ist also aus dem Berliner „Knuddel-Pionier“ („Tagesspiegel“) und „possierlichen Petz“ („Der Spiegel“) tatsächlich ein „Psychopath“ geworden? Fest steht bis jetzt immerhin nur, dass der zunächst recht genügsame Knut exakt zu jenem Zeitpunkt gefräßig geworden sein soll, als der schwergewichtige Umweltminister Sigmar Gabriel als Pate in sein Gehege stapfte. Und so fehlte in kaum einem Zeitungskommentar der launige Kalauer, als der mollig gewordene Knut jüngst satte 120 kg auf die Waage brachte, habe er mit seinem Paten Sigmar Gabriel gewichtsmäßig endlich gleichgezogen.

Da kann wirklich man nur dankbar sein, dass Roland Koch bislang noch nicht auf die Idee kam, als Gag im hessischen Landtagswahlkampf die Patenschaft über „Flocke“ übernehmen zu wollen. Wer weiß, was dann aus dem Nürnberger Eisbären geworden wäre. Ein gefräßiges Monster? Immerhin wird kolportiert, manche hessischen Eltern pflegten allen Ernstes ihren Kindern damit zu drohen, wenn sie ihren Teller nicht leer äßen, käme sie „der Roland Koch holen“. Taugt so ein Kinderschreck als Pate und Vorbild für die Eisbärenjugend? Wohl kaum. Da müsste man sich nicht wundern, wenn „Flocke“ später mal ihre Babys auffrisst. Bloß, damit sie nicht der Roland Koch holen kommt.

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Bild des Monats

Dienstag, 1. Januar 2008 15:13

„Herr Bär, das Bild des Monats hat den Kölner Karneval zum Thema?“

Bär: „Jojo, Ich han en Bild jemalt, wie et 1957 an Karneval en Kölle jewesen war. Dat is ja jetzt 51 Jahre her, da sollte man sowat mal im Bild festhalten, bevor dat janz in Vergessenheit gerät.“

„Und die Leute auf dem Bild?“

Bär: „Rechts en dä Gruppe, dat kleine kostümierte Kind, dat is dä Tierpfleger, dä mir heute immer dat Essen auf Rädern bringt. Dat Kind steht da an dä Haltestelle mit singem Großvater un nem Mann, dä trägt ein Eisbärkostüm. Früher, in den 1950er Jahren, da stand an den Karnevalstagen immer einer em Eisbärkostüm vor dem Kölner Dom, un für eine Mark konnte man sich mit dem fotografieren lassen. Un dieses Erlebnis hät dä kleine Jung so sehr jeprägt, deswejen is dä später Tierpfleger jeworden un bringt mir jetzt dat Essen auf Rädern op su nem kleinen Wägelchen, weil dä zu faul is die Warmhaltebox die janze Zeit durch die Gegend zu schleppen…“

„Sagen Sie, Herr Bär, das Bild gibt’s jetzt auch live zu sehen?“

Bär: „Jojo. Ab morgen. Dann kann man sich och ens dä Pinselstrich beloore. En dä E-Mail sieht man dat ja nit so jenau!“

Also: Besuchen Sie die Ausstellung „Karneval“

bei:

kunstEfeld. e.V.
Lenauplatz3/Ecke Iltistr.
Köln-Ehrenfeld

Vernissage: Mittwoch, 2. Januar 2008 19:00 Uhr
Künstlerliste:

Anton Fuchs, Barbara Kümpel, Conny Dietrich, Dietmar Esch/Christine Naujoks, Doro
Andrack, Friederike Vahlbruch, Gerda Laufenberg, Inge Maxeiner, Karl-Josef Bär/Jürgen
Raap, Thomas Kalläwe, Wolfgang Loesche.
Unterstützt wird diese Ausstellung vom Festausschuss Ehrenfelder Karneval

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