Beiträge vom Mai, 2008

Bild des Monats

Sonntag, 18. Mai 2008 17:08

“Herr Bär, Sie haben den Kurpark von Bad Wildungen gemalt?”

Bär: “Jojo. Leicht verschwommen sieht man in der Bildmitte dat Kurparkorchester, wie et gerade die ‘Böhmische Polka’ von Johann Strauß spielt.”

“Welch herrlicher Musikgenuss, Herr Bär!”

Bär: “Enä! Gleich neben dem Kurpark ist nämlich eine Ramba-Zamba-Kneipe, un dort hätt ein Alleinunterhalter seine Anlage soweit aufgedreht, dat däm singe Gesang auch noch im ganzen Kurpark zu hören is”.

“Was singt der denn, Herr Bär?”

Bär: “Zuerst hätt dä einen Sechziger-Jahre-Hit jesungen, My Baby Baby balla balla. Dat jing ja noch. Ävver dann hat der anschließend versucht, von den Höhnern ‘ Viva Colonia’ anzustimmen. In Bad Wildungen! Ein hessischer Entertainer! Beim Refrain fiel ihm dann auf, dat dä ja kein kölsch kann, un deswegen wechselte dä erst ins Hochdeutsche und dann ins Hessische. Dat hat sich grauenhaft angehört!”

“Bad Wildungen, wie es singt und klingt. Aber was hat Bad Wildungen denn sonst noch für Attraktionen, Herr Bär?”

Bär: “Das ‘Tanzcafé Bolero’ im Stadtteil Reinhardshausen zum Beispiel. Da is jeden Dienstag Damenwahl. Auf einem Plakat steht: ‘Jede Dame, die es schafft, einen Herrn auf die Tanzfläche zu bringen, kriegt eine Rose geschenkt’!”

“Da muss der Wirt aber viele Rosen verschenken! Das kostet den bestimmt ein Vermögen!”

Bär: “Enä! Überhaupt nicht! Gleich nebenan is nämlich die urologische Klinik, und da sagen die Ärzte ihren Patienten, wer gerade an dä Prostata operiert ist, dä soll ein halbes Jahr lang nicht Radfahren, hüpfen, springen oder tanzen. Deswegen gehen die Patienten us dä Klinik nicht ins ‘Tanzcafé Bolero’, sondern lieber in eine andere Remmi Demmi-Kneipe namens ‘Rudys Saustall’, wo freitags un samstags immer Grillabend ist. Die Spezialität vum Rudy is gegrillter Schweinebauch… da ist immer wat los… Wenn de in dä Klinik vier Wochen lang Schonkost essen und dabei abnehmen sollst, dann is dat eine willkommene Alternative… Schon dä Kardinal Frings soll ja jesacht haben: Man muss auch mal ein Opfer auslassen können…”

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Ausgabe Nr. 65

Donnerstag, 15. Mai 2008 9:25

Nicht jeder taugt zur Kultfigur, sondern bringt es in der Presse allenfalls zu einer Erwähnung auf der letzten Seite unter „Aus aller Welt“, so der sächsische Heiratsschwindler Franz Ficker (53), über den die Medien sich bemüßigt fühlen zu betonen, er hieße wirklich so. Gewiss ist dies ein angemessener Nachname für einen Heiratsschwindler, womit sich einerseits der Grundsatz „nomen est omen“ bewahrheitet, zum anderen die Vermutung Nahrung erhält, der gute Mann habe seinen Charme nicht allein mit seinem sächsischen Dialekt entfaltet, um die dahinschmelzenden Damen um fünfstellige Summen zu erleichtern, mit denen er sich dann bei Nacht und Nebel davonmachte, um in den geheimnisvollen Tiefen des Sachsenlandes unterzutauchen, bis das Geld aufgebraucht war und der Charmeur dann sein nächstes Opfer becircte. Alsdann steuert die Geschichte ihrer eigentlichen Pointe zu, als nämlich Franz Ficker als notorischer Wiederholungstäter zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde und eine Ladung zum Strafantritt erhielt, auf der allerdings irrtümlich die Adresse eines Frauengefängnisses angegeben war. Brav und vielleicht sogar mit einer gewissen Vorfreude meldete er sich an der Gefängnispforte zum Haftantritt, doch dort wies man ihn barsch ab, und der Gefängnisdirektor schrieb irritiert ans Justizministerium, ein Frauengefängnis sei wohl nicht der richtige Ort, um dort einen rechtskräftig verurteilten Heiratsschwindler seine Strafe verbüßen zu lassen. Die Gefahr, dass der Mann dort rückfällig würde, sei zu groß, was man schließlich wohl auch im sächsischen Justizministerium eingesehen haben mag. Es gehen wohl nicht nur in Bayern, sondern auch in Sachsen die Uhren ein wenig anders, oder um es für die Bildungsbürger unter den geneigten „bär aktuell“-Lesern einmal auf Latein auszudrücken: Tu felix Saxonia nube (übersetzt: Du glückliches Sachsen heiratest).

Was sonst noch in der Zeitung stand: Ein Polizist, seines Zeichens Spezialist für die Anfertigung von Phantombildern flüchtiger Verbrecher, beklagte sich kürzlich, unter einem „etwa sechzigjährigen Mann mit weißen Haaren und randloser Brille“ stelle sich jeder Zeuge etwas anderes vor. Nach solch unpräzisen Angaben ein Phantombild zu erstellen, sei äusserst schwierig. Wenn der Zeuge jedoch behaupte, der flüchtige Tatverdächtige sähe aus wie Franz Beckenbauer, dann könne man als Phantombildspezialist eher etwas damit anfangen. Die Zeugen mögen sich das doch bitte schön zu Herzen nehmen, was sie dann wohl auch taten. Denn jetzt wundert sich Franz Beckenbauer, wie oft sein Gesicht neuerdings auf polizeilichen Fahndungsplakaten zu sehen ist.

Hilfreich für präzisere Auskünfte an den Phantombildzeichner ist auch das allerdings nicht. So antwortete jüngst eine der geprellten Damen in Sachsen auf die Frage, ob sie den flüchtigen Heiratsschwindler Franz Ficker beschreiben könne: „Ach, ich weiß nicht. Diese Heiratsschwindler sehen ja irgendwie alle gleich aus. Also… so ähnlich wie Franz Beckenbauer“. Überführt wurde Franz Ficker schließlich nicht durch das Phantombild, sondern anhand seines sächsischen Dialekts, worüber Franz Beckenbauer wiederum erleichtert aufatmete.

Bärs Berufstipps für Nichtskönner Strebten verkrachte Existenzen früher gerne in die Gastronomie („Wer sonst nichts wird, wird Wirt“), so beweisen in unseren Tagen Ronald Pofalla und Erwin Huber täglich aufs Neue, dass man auch mit Kurzauftritten in der Tagesschau in der Paraderolle als christdemokratische Knallcharge (Pofalla) oder als unbedarft-linkisch wirkender Biedermann (Huber) in der Politik noch was werden kann. Man muss eigentlich nur wissen, dass das karrieretechnisch wirksame parteiinterne Ritual immer noch „Kandidatenaufstellung“ und nicht auf neudeutsch „Casting“ heißt. Bei Pofalla kann man sich immerhin noch vorstellen, wenn er Wirt geworden wäre, würde er beim Servieren dauernd tolpatschig das Bier verschütten. Wer für beide Berufe, nämlich Politik und Schankwirt, zu dämlich ist, der kann indessen immer noch „Kurator“ werden. Das ist keine geschützte Berufsbezeichnung, weshalb man im heutigen Kunstbetrieb vermehrt illustre Zeitgenossen antrifft, denen keinerlei kunstwissenschaftliche Vorkenntnisse abverlangt werden, sofern sie nur ein klein wenig glamouröser als Erwin Huber wirken und beim Vernissagen-Small Talk nicht dauernd das Bier verschütten, so wie Ronald Pofalla in Herrn Bärs amüsanter Vorstellung von Pofalla in der Rolle eines ungeschickten Schankwirts, der an seinen eigenen Ansprüchen des schlabberfreien Tragens eines Tabletts voller Biergläser scheitert und solchermaßen zu einer ähnlich tragikomischen Witzfigur wird wie ein eitler Kunstbetriebs-Narr, der von Insidern als fachlich völlig ahnungsloser Ausstellungskurator belächelt wird, dem es selbst aber in seiner verblendeten Selbstwahrnehmung gleichwohl nie einfiele, sich mit Ronald Pofalla vergleichen zu wollen, und der sich dafür nicht von Dieter Bohlen, wohl aber von Herrn Bär verhöhnen lassen muss.

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