Beiträge vom Oktober, 2008

Ausgabe Nr. 73

Mittwoch, 22. Oktober 2008 16:40


Oh Zeiten, oh Sitten Hat nicht auch Herr Bär an dieser Stelle immer wieder den Verfall der Medienkultur beklagt, und dies mit ähnlich drastischen Formulierungen wie Marcel Reich-Ranicki, der bei der Verleihung des Fernsehpreises bekundete, in eben jenem Fernsehen gäbe es nur noch „Blödsinn“ zu sehen? Ja, das hat Herr Bär. Bekommt Herr Bär deswegen spontan von Thomas Gottschalk eine eigene Fernsehsendung angeboten, um über das „Niveau“ des TV zu diskutieren? Nein, Herr Bär nicht, wohl aber Marcel Reich-Ranicki. Während zu dieser Preisverleihung die geballte TV-Prominenz angetreten war, um sich mal wieder selbst zu feiern und dann angesichts von Reich-Ranickis Philippika reichlich bedröppelt aus der Wäsche schaute, wohl ahnend, dass hier einer mal die Wahrheit über das Niveau der TV-Programme sprach, ließen die Manager der Fortis-Bank, eben erst vom belgischen Staat mit Steuergeldern gestützt und damit vor der Pleite bewahrt, die Champagnerkorken knallen und stießen fröhlich „auf alle“ an, die in der aktuellen Bankenkrise „ihr Geld verloren haben“. Da hätte die belgische Regierung besser die Maxime beherzigt, dass man schlechtem Geld kein gutes hinterher werfen soll. Herr Bär weiß nicht, wie man an eine eigene Fernsehsendung kommt, wohl aber, wen man fragen muss, wenn man unbedingt bei der Düsseldorfer Sparkasse einen faulen Kredit rausleiern will, nämlich einen gewissen Franjo Pooth, der genau das geschafft hat, und zwar dank der Prominenz seiner Gattin Veronika, an deren grammatische Fehlleistungen bei TV-Auftritten wohl der Germanist Reich-Ranicki gedacht haben mochte, als er die heutige Fernsehkultur als „unerträglich“ brandmarkte. Gleichwohl und trotz des Kredits setzte Franjo Pooth sein Unternehmen in den Sand und gab anschließend als Ursache seiner persönlichen Finanzkrise an, er habe als Geschäftsmann schlichtweg den Überblick verloren. So kommen bei Herrn Bär dann doch erhebliche Zweifel auf, wenn in Berlin die Politiker mutig vors Mikrofon treten, und einer nach dem anderen mit heuchlerischem Zweckoptimismus erklärt, bei uns sei eine Bankenkrise durch faule Kredite wie in den USA nicht zu erwarten und der Inhalt von Omas Sparstrumpf sei sicher. Doch es gibt auch kritische Rufer und Mahner in der Wüste: z. B. der Bundespräsident, der durch seine frühere berufliche Tätigkeit mit der Mentalität von Bankern und Wirtschaftsbossen bestens vertraut ist und ihnen daher „Maßlosigkeit“ vorhält, oder auch Peter Struck, der „nur Verachtung“ für den „Opportunismus“ eines Josef Ackermann übrig habe, wenn dieser jetzt laut nach staatlicher Unterstützung für die notleidenden Banken rufe, weil diese ihre Champagnerparties nicht mehr bezahlen können. Als daraufhin auch noch der Schauspieler Peter Sodann als Bundespräsidentenkandidat der Linken verkündete, im Falle seiner Wahl werde er Josef Ackermann verhaften lassen (eine höchst sympathische Idee, findet Herr Bär), ruderte letzterer eilig zurück und verkündete trotzig, die Deutsche Bank würde sich schämen, wenn sie staatliche Hilfe in Anspruch nehmen müsste, und er, Ackermann, sähe auch künftig die Aufgabe einer Bank darin, möglichst hohe Renditen zu erwirtschaften. Dass ihm die „Maßstäbe abhanden“ gekommen waren, musste aber bereits einer von Ackermanns Vorgängern zugeben, nämlich der damalige Deutsche Bank-Chef Hilmar Kopper, als er den Verlust durch einen „faulen Kredit“ an den Pleitier Dr. Schneider als „peanuts“ bezeichnet hatte. Wie war eigentlich damals Dr. Schneider an seinen „faulen Kredit“ gekommen? Etwa, indem auch er eine attraktive, prominente und tiefdékolletierte Gattin zum Kundenberater mitschleppte, so wie Franjo Pooth? Mitnichten. Dr. Schneider setzte sich einfach zur Unterstreichung seiner Kreditwürdigkeit ein Toupet auf.

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