Ausgabe Nr. 70 - Schweiz Special

Bär aktuell Schweiz Special Wer auf dem Flughafen von Genf ankommt, den erwarten an den Wänden des Flughafengebäudes ausschließlich Reklametafeln, die für Banken und für Uhren werben. Nur Banken und Uhren! Sonst nichts. Fährt man dann froher Erwartung in die Stadt, trifft man hauptsächlich auf – richtig geraten – Banken und Uhrengeschäfte. Manche Uhrenläden haben indes noch nicht einmal Preisschildchen in ihren Schaufenstern, weil die Uhren so teuer sind, dass sie sich ohnehin nur jenes Publikum leisten kann, das auch die Banken umwerben: zwielichtige Waffenhändler und neureiche russische Oligarchen. Dubiose Waffenschieber erkennt man im Stadtbild an der verspiegelten Sonnenbrille, und die zu rasch und vermutlich auf unredliche Weise zu Geld gekommenen russischen Oligarchen an ihrer obligatorischen Wodkafahne und ihren protzigen Manieren. Deutsche Steuerflüchtlinge, die das Geld für den Parkscheinautomaten sparen wollen, parken deppenhafterweise direkt auf dem Kundenparkplatz vor der Filiale der Deutschen Bank am Place des Bergues, nicht ahnend, dass hier immer ein paar getarnte BND-Agenten herumlungern, die sich die Kennzeichen deutscher Autos aufschreiben. Der deppenhafte Steuerflüchtling, den die Schweizer Presse beharrlich als „Steuerzahler“ bezeichnet, weil er ja in der Schweiz Steuern zahlt, nur in Deutschland eben nicht, hält den BND-Agenten für einen Zivilpolizisten, der Parkverbots-Strafmandate verteilt und ruft ihm zu: „Ich parke hier nur fünf Minuten, bin gleich wieder weg!“ Er hätte ihm auch zurufen können: „Das hier ist ein Kundenparkplatz und ich bin Kunde bei der Deutschen Bank!“ Aber das wäre wohl zu indiskret gewesen, schließlich muss das ja nicht jeder mitkriegen… Es kriegt aber zumindest der BND mit, und die BND-Agenten vor den Bankfilialen tragen übrigens alle verspiegelte Sonnenbrillen und eine Wodkafahne vor sich her, und wenn man sie fragt, als was sie sich getarnt haben, dann antworten sie: „Als zwielichtiger russischer Waffenschieber“. Wenn der deppenhafte Steuerflüchtling aus der Bank kommt, freut er sich, dass er keinen Strafzettel an der Windschutzscheibe hat, in seiner Torheit nicht ahnend, dass er auf dem Kundenparkplatz ohnehin kein Knöllchen bekommen hätte, aber irgendwie hat er doch das Gefühl, man habe ihn bei etwas Verbotenem ertappt. Er fühlt sich so ähnlich, als ob er gerade aus dem Pornoladen kommt und die Nachbarn sehen ihn. Es gibt übrigens auch Schokoladengeschäfte in Genf, und dort bieten sie putzigerweise Schokoriegel in Form eines Goldbarrens an. Ansonsten gibt’s in Genf an Devotionalien Plüsch-Hunde in der Form eines Bernhardiners, die auch alle „Bernhard“ heißen, und der Hl. Bernhard hätte es sich wohl nicht träumen lassen, dass er eines Tages als Schutzpatron der Steuerzahler herhalten muss. Und wie lautete die Schlagzeile auf der Titelseite der „Berner Zeitung“ vom 30. August 2008: „Die Kassen quillen über“.

Datum: Donnerstag, 4. September 2008 9:26
Themengebiet: Bär Aktuell, Allgemein Trackback: Trackback-URL
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