Ausgabe Nr. 71


Wenn eine Partei einen Putsch gegen eine ihrer prominentesten Führungskräfte inszeniert, kann sie es damit schaffen, wochenlang die Schlagzeilen zu beherrschen, so wie derzeit die SPD mit der Steinmeier-Kandidatur, dem Münte-Comeback und dem Beck-Desaster die Medien beherrscht. Das wurmt natürlich die politische Konkurrenz, und was macht also die CDU? Resigniert sie etwa? Mitnichten! Nein, Sie denkt sich, denn putschen wir eben auch mal einen unserer Politiker weg. Dann stehen wir auch wieder mal in der Zeitung. Aber wen nehmen wir? Am besten einen, der im Ruf steht, so herrlich provinziell zu sein und in Berlin überhaupt nicht zu recht zu kommen. So traf es denn ausgerechnet den bisherigen Berliner CDU-Fraktionsvorsitzenden Friedbert Pflüger, der im Berliner Wahlkampf schon mal erzählt hat, wie toll es in Hannover ist und also bestens prädestiniert zu sein schien als parteiinternes Putschopfer. Pflüger wurde also soeben eiskalt als Berliner Fraktionsvorsitzender abgewählt, was aber außer der Berliner Lokalpresse niemand mit Schlagzeilen bedachte, denn erstens kennt diesen Friedbert Pflüger außerhalb Berlins keine Sau, und zweitens interessiert sich deswegen außerhalb Berlins auch keine Sau dafür, ob er abgewählt wird oder nicht. Etwas schlauer in Sachen Medienstrategie stellte sich dann immerhin die bayerische Schwesterpartei an mit Günter Becksteins Geleitwort zum Münchener Oktoberfest, nach dem Genuss von zwei Litern Bier könne man noch getrost Auto fahren – was in der Vergangenheit schon der eine oder andere trinkfeste CSU-Politiker versucht hat in der Praxis auszuprobieren. Freilich endete dann so mancher christsoziale Selbstversuch in Sachen automobilem Vollrausch an der Leitplanke, im Straßenrand oder am Alleebaum und anschließend punktemäßig in Flensburg. Vielleicht wäre Friedbert Pflüger endlich auch mal in die bundesweite Presse gekommen, wenn er dreist behauptet hätte, man könne auch nach dem Genuss von drei Litern Bier noch Auto fahren – nur hätte die Sache einen Haken gehabt: Keiner hätte geglaubt glaubt, dass ausgerechnet Friedbert Pflüger drei Liter Bier vertragen könnte.

Datum: Montag, 22. September 2008 14:30
Themengebiet: Bär Aktuell, Allgemein Trackback: Trackback-URL
Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben

Login erforderlich