Ausgabe Nr. 74

Dies ist die wahre Geschichte von einem tölpelhaften Einbrecher, der über eine hohe Mauer geklettert und in einen Getränkemarkt eingebrochen war, nicht etwa, um dort Getränkeflaschen zu stehlen, sondern Pfandflaschen. Wahrscheinlich dachte er sich, leere Pfandflaschen sind leichter als volle Bier- oder Colaflaschen, da hat man nicht so viel zu schleppen. Beim Herunterspringen von der Mauer verstauchte er sich jedoch den Knöchel. Er kam daher nicht mehr über die hohe Mauer zurück, und erst jetzt fiel ihm auf, dass er gar nicht darüber nachgedacht hatte, wie er überhaupt so viele Pfandflaschen über die hohe Mauer hätte schaffen können, dass sich der Einbruch für ihn gelohnt hätte. Von seinem Handy aus rief er dreist die Polizei an, er hätte sich im Getränkemarkt verlaufen, sei versehentlich eingeschlossen worden und er hätte sich dann beim Herumirren den Knöchel verstaucht. Mit dem lädierten Knöchel käme er aber jetzt nicht über die Mauer, man möge doch dafür sorgen, dass ihm die Tür des Getränkemarkts aufgeschlossen würde, und es wäre gut, wenn auch noch der Notarzt vorbei käme, um nach seinem verletzten Knöchel zu sehen. Die Polizei hielt dies zunächst für einen Scherz, denn so dumm könne ja wohl kein Einbrecher sein. Und falls es kein Scherz war, dann könnte man getrost erst noch andere und dringende Polizeieinsätze erledigen, denn wenn es sich bei dem Anrufer um einen Einbrecher handeln würde, dann dass saß der ja erstmal im Getränkemarkt fest. Nach zwanzig Minuten wurde dem Einbrecher die Zeit zu lang, er rief erneut bei der Polizei an und beschwerte sich, wie lange das denn dauern würde…

Man ließ ihn nach der polizeilichen Vernehmung wieder auf freiem Fuß, der inzwischen notärztlich versorgt worden war und begründete die Verschonung vor der Untersuchungshaft mit dem Argument, es bestünde ja wohl keine Fluchtgefahr, mit dem lädierten Knöchel. Doch sobald der Knöchel abgeschwollen war, ging der Mann erneut auf Diebestour, und diesmal dachte er sich: Pfandflaschen klauen zu wollen bringt nichts. Stattdessen entschloss er sich, lieber einen Altkleidercontainer zu plündern und die erbeuteten Kleider an einen Second-Hand-Laden  zu verscherbeln. Der Mann beugte sich weit durch die Öffnung, durch die man normalerweise die Kleider hineinwirft, in den Container hinein; er verlor dabei den Halt und fiel in den Container! Und jetzt kommt der Höhepunkt der Geschichte, von der man nicht glaubt, dass sie sich so tatsächlich zugetragen hat, aber sie ist wahr, denn sie war kürzlich in der Boulevardpresse zu lesen: Der Dieb kam nicht mehr durch das enge Öffnungsloch aus dem Container hinaus! Er rief also per Handy die Polizei an, er habe sich in den Container schlafen gelegt, und jetzt käme er nicht mehr hinaus, man möge ihn befreien… Die Polizei ließ sich erneut Zeit, denn falls das ein Altkleiderdieb war, dann saß er ja jetzt im Container fest, und man konnte erst einmal dringendere Einsätze erledigen… Nach zwanzig Minuten rief er erneut bei der Polizei an, wie lange das denn noch dauern würde… nein, diesmal bräuchte er keinen Notarzt, er sei nämlich weich gefallen, auf die Kleider in dem Container… Man musste den Container aufschweißen, um ihn dort herauszuholen. Im Polizeiverhör gab der Mann an, er wüsste nicht, wie er in den Container habe fallen können, und das solle man ihm erst einmal widerlegen. Als er die Polizeiwache verließ, stellte er fest, dass inzwischen der Akku von seinem Handy leer war, und er bildete sich ein, da habe er ja wohl bis jetzt noch immer richtig Glück gehabt, dass sein Handy einwandfrei funktionierte.

Datum: Dienstag, 11. November 2008 9:46
Themengebiet: Bär Aktuell, Allgemein Trackback: Trackback-URL
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