Ausgabe Nr. 70 - Schweiz Special

Donnerstag, 4. September 2008 9:26

Bär aktuell Schweiz Special Wer auf dem Flughafen von Genf ankommt, den erwarten an den Wänden des Flughafengebäudes ausschließlich Reklametafeln, die für Banken und für Uhren werben. Nur Banken und Uhren! Sonst nichts. Fährt man dann froher Erwartung in die Stadt, trifft man hauptsächlich auf – richtig geraten – Banken und Uhrengeschäfte. Manche Uhrenläden haben indes noch nicht einmal Preisschildchen in ihren Schaufenstern, weil die Uhren so teuer sind, dass sie sich ohnehin nur jenes Publikum leisten kann, das auch die Banken umwerben: zwielichtige Waffenhändler und neureiche russische Oligarchen. Dubiose Waffenschieber erkennt man im Stadtbild an der verspiegelten Sonnenbrille, und die zu rasch und vermutlich auf unredliche Weise zu Geld gekommenen russischen Oligarchen an ihrer obligatorischen Wodkafahne und ihren protzigen Manieren. Deutsche Steuerflüchtlinge, die das Geld für den Parkscheinautomaten sparen wollen, parken deppenhafterweise direkt auf dem Kundenparkplatz vor der Filiale der Deutschen Bank am Place des Bergues, nicht ahnend, dass hier immer ein paar getarnte BND-Agenten herumlungern, die sich die Kennzeichen deutscher Autos aufschreiben. Der deppenhafte Steuerflüchtling, den die Schweizer Presse beharrlich als „Steuerzahler“ bezeichnet, weil er ja in der Schweiz Steuern zahlt, nur in Deutschland eben nicht, hält den BND-Agenten für einen Zivilpolizisten, der Parkverbots-Strafmandate verteilt und ruft ihm zu: „Ich parke hier nur fünf Minuten, bin gleich wieder weg!“ Er hätte ihm auch zurufen können: „Das hier ist ein Kundenparkplatz und ich bin Kunde bei der Deutschen Bank!“ Aber das wäre wohl zu indiskret gewesen, schließlich muss das ja nicht jeder mitkriegen… Es kriegt aber zumindest der BND mit, und die BND-Agenten vor den Bankfilialen tragen übrigens alle verspiegelte Sonnenbrillen und eine Wodkafahne vor sich her, und wenn man sie fragt, als was sie sich getarnt haben, dann antworten sie: „Als zwielichtiger russischer Waffenschieber“. Wenn der deppenhafte Steuerflüchtling aus der Bank kommt, freut er sich, dass er keinen Strafzettel an der Windschutzscheibe hat, in seiner Torheit nicht ahnend, dass er auf dem Kundenparkplatz ohnehin kein Knöllchen bekommen hätte, aber irgendwie hat er doch das Gefühl, man habe ihn bei etwas Verbotenem ertappt. Er fühlt sich so ähnlich, als ob er gerade aus dem Pornoladen kommt und die Nachbarn sehen ihn. Es gibt übrigens auch Schokoladengeschäfte in Genf, und dort bieten sie putzigerweise Schokoriegel in Form eines Goldbarrens an. Ansonsten gibt’s in Genf an Devotionalien Plüsch-Hunde in der Form eines Bernhardiners, die auch alle „Bernhard“ heißen, und der Hl. Bernhard hätte es sich wohl nicht träumen lassen, dass er eines Tages als Schutzpatron der Steuerzahler herhalten muss. Und wie lautete die Schlagzeile auf der Titelseite der „Berner Zeitung“ vom 30. August 2008: „Die Kassen quillen über“.

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Ausgabe Nr. 69

Mittwoch, 3. September 2008 9:25

Bärs Bestatterkritik  Was bietet die rheinische Bestatterszene im Herbst? Wird in den lokalen Beerdigungsinstituten immer nur der Trauermarsch geblasen? Mitnichten! Jetzt wird vielmehr munter der trüben Herbststimmung getrotzt, denn der 11.11. ist nicht mehr weit. Den Auftakt macht das „Haus der menschlichen Begleitung“ Pütz-Roth in Bergisch Gladbach und lädt für den 10. Sept. 2008 ein zur „Kölsch-Bergischen Revue“. U.a. mit dem wunderbaren Krätzjensänger-Duo „Sakko Colonia“, dem bewährten Karnevalisten Willi Armbrüster und anderen Spitzenkräften des regionalen Narrentreibens. Weiter geht’s am 13. September 2008 mit dem „Tag der offenen Tür“ beim Bestattermeister Christoph Kuckelkorn, der auf seiner Internetseite unter „Sonstige Ehrenämter“ angibt, dass er Vizepräsident des Festkomitees Kölner Karneval und Leiter des Rosenmontagszuges ist. Bei soviel Frohsinn will als Dritter im Bunde auch das Kölner Bestattungshaus Pilartz unbedingt mithalten können: Es hat sich für den 31. Oktober 2008 die Trauerhalle auf dem Friedhof Melaten reservieren lassen und lässt dort die Kabarettisten Rainer Pause und Martin Stankowski den „Tod im Rheinland“ aufführen – als „unterhaltsames Stück über Bestattungskultur von der Römerzeit bis zur Gegenwart“. Bär findet: Wenn man das Leben nicht so ernst nimmt, kann man wohl auch den Tod hinweg lachen…

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Bild des Monats

Dienstag, 2. September 2008 9:47

“Herr Bär, Sie haben eine Harfenspielerin gemalt?”

Bär: “Jojo, ich hätte ja stattdessen auch ‘ne Tröötemann malen können. Ävver dann hätten sich die Nachbarn beschwert, über dat laute Getröte vun däm. Da is ‘ne Harfe schon wat dezenter…”

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Ausgabe Nr. 68

Dienstag, 19. August 2008 8:20

Womit füllen die Gazetten das Sommerloch auf? Der Berliner Zoo wartet mit einer neuen Attraktion auf. Nach dem Eisbären Knut ist es nun der Ameisenbär Adolpho, der die Herzen des Publikums bewegen und die Kasse klingeln lassen soll. Mehr im Klingelbeutel will auch Wolfgang Huber haben, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, und kündigte allen Ernstes die Gründung von „Kompetenzzentren für Predigtkultur und Gottesdienstqualität“ an. Vielleicht kommen in diesem „Kompetenzzentrum“ die Kirchenmarketing-Spezialisten dort demnächst auf die durchgeknallte Idee, sich einen Ameisenbär als Kirchenmaskottchen anzuschaffen. Die katholische Konkurrenz ist da marketingmäßig schon etwas näher an den Bedürfnissen ihrer Schäfchen. Der notorisch sittenstrenge Kölner Kardinal Meisner biedert sich nämlich bei den Grünen und ihrer Klientel an mit dem Argument, Keuschheit zu üben diene dem Umweltschutz. Ökologie! Da spürt man doch den Puls der Zeit, das ist „angesagt“, dachte man sich im „Kompetenzzentrum“ des Erzbistums Köln. Meisner daher also wörtlich: „Jemand, der die Keuschheit nicht bewahren kann oder der überhaupt sein leibliches und seelisches Leben, also seinen eigenen Mikrokosmos, nicht in Ordnung halten kann – wie will der denn etwas zur Bewahrung des Makrokosmos tun?“ Nun kommt der Kardinal bekanntlich aus dem Osten und mit seinen Auffassungen im Rheinland nicht überall an. Für die eher sinnenfrohen rheinischen Katholiken muss daher als Sympathieträger gleichzeitig der Kölner Prälat Johannes Basgen ins Feld geführt werden, ein passionierter Zigarrenraucher, der mit nicht minder deutlichen Worten gegen das Nichtrauchergesetz und gegen die staatliche Regulierungswut polemisiert: „Demnächst verbieten sie uns auch noch den Weihrauch im Kölner Dom“. Das wäre sicher gut für die Umwelt, d.h. für den Makrokosmus im Meisner’schen Sinne, aber weil es bei den Protestanten eben an Weihrauch mangelt, müssen sie in ihrem „Kompetenzzentrum für Gottesdienstqualität“ darüber nachgrübeln, ob nicht vielleicht gerade wegen eben dieses Weihrauchmangels ihnen die Gottesdienstbesucher wegbleiben. Wahrscheinlich kommen sie dann zu dem Ergebnis, dass anstatt der Anschaffung eines Ameisenbärs als Kirchenmaskottchen der Erwerb eines Weihrauchschwenkers sinnvoller wäre.

Bedingt nützliche Nachhilfe in Geografie bot Uli Hoeneß, der Manager des FC Bayern München. Als nämlich der Spieler Lukas Podolski verlauten ließ, er fühle sich in München nicht wohl und sehne sich zurück nach seiner Heimat in Köln, da konterte Hoeneß, München läge ja nicht auf den Samoa Islands, sondern sei eine „mitteleuropäische Weltstadt“, in der man genauso gut leben könne wie in Köln. Wenn Uli Hoeneß sich da mal nicht irrt. Wahrscheinlich weiß er nicht, dass die Kölner Volksschauspielerin Trude Herr es vorgezogen hatte, ihre letzten Lebensjahre auf den Fidschi-Inseln zu verbringen (die liegen auf dem Google-Satellitenbild gleich neben Samoa), und eben nicht in München, dieser angeblichen „mitteleuropäische Weltstadt“, wie man sie aus den betulichen ZDF-Krimis kennt, wo sich zumeist gruselige Greise in vornehmen Villenvierteln wie München-Bogenhausen tummeln. Ergo: als Kölner zieht man dann doch lieber in die Südsee. Außerdem liegt München auf dem Google-Satellitenbild rechts vom Rhein, d.h. aus Kölner Sicht auf der „Schäl Sick“, der schielenden Seite, auf der die Bajuwaren bekanntlich noch in feuchten Felshöhlen hockten, als man in Köln vor 2000 Jahren schon eine römische Fußbodenheizung kannte.

Bliebe noch der Tankstellenräuber Daniel A. zu erwähnen, der sich in falsch verstandener Noblesse immer von einem Chauffeur namens Heinz-Josef. L. zu seinen Tatorten vorfahren ließ und dort wegen seiner ausgesuchten Höflichkeit auffiel. Er soll nämlich immer „bitte“ gesagt haben, als er den Inhalt der Kasse begehrte. Er sei „aus gutem Hause“ und im Moment nur etwas klamm, gab Daniel A. in der Gerichtsverhandlung über seine guten Manieren und den Grund seiner Raubzüge zu Protokoll. Sein Chauffeur Heinz-Josef L. fiel im Gerichtssaal aus allen Wolken, als er wegen Beihilfe verknackt werden sollte. „Ich wusste doch nicht, dass das strafbar ist“, verteidigte er sich, blitzte damit allerdings aber beim Richter ab: „Sie sind wohl um keine Ausrede verlegen!“

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Bild des Monats

Freitag, 1. August 2008 8:20

“Herr Bär, was soll das denn? Dieses Bild heißt ‘Bei Lichte besehen’. Wieso nennen Sie es nicht einfach ‘Frau mit Hund’?

Bär: “Enä, dat wör jo en saublöde Idee. Man sieht doch, wat da drauf is. Dat muss dä Titel doch nit auch noch beschreiben. Nachher meinen die Leute noch, ich würde sie für doof halten, dat die nit erkennen können, dat dat ne Frau mit nem Hungk is…”

“Und was soll der Titel nun ausdrücken?”

Bär: “Dat Zufallsprinzip. Ich schreibe die Titel auf, wie sie mir gerade einfallen, und anschließend male ich dat Bild, und dat kritt dann den ersten Titel vepasst, den ich auf meiner Liste notiert habe. Dat nächste Bild zum Beispiel wird ‘Der Held der Stunde heißen’, un ich weiß jetzt noch janit, wat da drauf sein wird.”

“In unserem Zeitalter der Diskurs-Kunst haben Sie dafür bestimmt auch eine konzeptuelle Begründung?”

Bär: “Ja, klar, sowat musste heute als Künstler unbedingt mitliefern…. Der symbolistische Dichter Stephane Mallarmé hat mal jesacht: ‘Niemals wird ein Würfelwurf den Zufall abschaffen.’

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Ausgabe Nr. 67

Dienstag, 22. Juli 2008 8:40

Bärs Bestatterkritik Der neue Trend: Die Beerdigungsunternehmer werden wieder seriös. Vorreiter einer Abkehr von der Trauerfeier als Teil der Event-Kultur ist Christoph Kuckelkorn, der neuerdings bei der Gestaltung seines Schaufensters auf karnevalesk anmutende künstlerische Verstiegenheiten verzichtet und nur noch ernsthafte fotografische Porträts von sich mit informativen Texten über den Umfang seines Serviceangebots ausstellt. Lediglich eine winzige Ecke ist noch für einen Künstler reserviert, der hier den Entwurf seines „Jackenengels“ präsentiert – das ist ein Engel, der eine aparte hellblaue Jacke trägt. Ein Begleittext verrät, welche spirituelle und sentimentale Bedeutung der Künstler der Jacke beimisst. Der Bestatter-Konkurrent Pütz-Roth hat derweil den Bildhauer Lutz Fritsch zum „Jahreskünstler 2008“ seines Instituts ausgerufen, und der ist wiederum für die streng durchdachte Konzeptualität seines Werks bekannt und käme nie auf die Idee, einem Engel eine Jacke anzuziehen. Wozu auch? Herr Bär sieht das Ganze weniger spirituell, sondern praktisch: Das Leichenhemd reicht als Bekleidung für die Einäscherung völlig aus. Und als Engel friert man sowieso nicht.

Es behaupte niemand, mit der Deutschen Bahn zu fahren sei langweilig. Wer von Köln nach Aachen fährt, der bekommt nämlich unterwegs eine Denksportaufgabe gestellt. Warum heißt der Bahnhof von Eschweiler „Eschweiler Hbf“, obwohl Eschweiler nur einen einzigen Bahnhof hat?
An einer Straßenkreuzung in Köln-Ehrenfeld gibt es schon seit geraumer Zeit drei türkische Döner-Restaurants, und mit einer gewissen unternehmerischen Risikobereitschaft hat dort einer kürzlich noch einen vierten Döner-Imbiss aufgemacht. Direkt daneben residiert auch noch ein „Asia Snack“, und wer die örtlichen Besitzverhältnisse nicht kennt, der ist einigermaßen erstaunt, mit welch scheinbar rabiaten Methoden der „Asia-Snack“-Betreiber Kunden anzulocken versucht, indem er nämlich seine Speisekarte einfach beim Türken nebenan an den Eingang klebt. Wer also den Döner-Grill betritt, der liest an der Wand neben der Tür „Reis mit Hühnerfleisch und Sojasprossen“ nebst einer Aufzählung weiterer Gerichte, die unzweifelhaft nicht der türkischen, sondern der chinesischen Küche entstammen. Ob es bei ihm außer Döner, Sis Kebap und türkischer Lahmacun-Pizza tatsächlich auch Reis mit Hühnerfleisch nach chinesischer Art gäbe, wollte Herr Bär wissen, und der Büffetier antwortete: Bei ihm nicht, aber beim „Asia Snack“ nebenan. Und wieso er dann dulde, dass der Chinese von nebenan seine Speisekarte bei ihm an die Tür klebe, das sei doch geschäftsschädigend, begehrte Herr Bär weiterhin zu wissen. Nein, das sei schon in Ordnung, antwortete der türkische Imbissbetreiber, er sei ja gleichzeitig auch „der Chinese von nebenan“, denn ihm gehöre ebenso der „Asia-Snack“. Herr Bär dankte für die Auskunft und zog um einiges schlauer vondannen, denn er hatte erstens gelernt, wie die Globalisierung funktioniert und zweitens, wie man mit betriebswirtschaftlichem Kalkül das unternehmerische Risiko absichert, neben drei Döner-Restaurants noch ein viertes zu eröffnen.
Aber wenn man als Deutsche Bahn AG in Eschweiler nur einen einzigen Bahnhof hat, ist es ziemlich affig, ihn aufwerten zu wollen, indem man ihn „Eschweiler Hauptbahnhof“ nennt. Als ob dann tatsächlich mehr Einwohner von Eschweiler als bisher mit der Deutschen Bahn fahren würden. Aber der Hartmut Mehdorn glaubt das wahrscheinlich allen Ernstes.

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Bild des Monats

Dienstag, 1. Juli 2008 13:20

“Herr Bär, Sie haben ein Eisbüdchen gemalt?”
Bär: “Jojo, jetzt im Sommer kommt dat jut an beim Publikum.”

“Aber das blaue Fähnchen links zeigt gar keine Eisreklame!”

Bär: “Dat is eine vermietbare Werbefläche. Wenn ein Speiseeiskonzern auf däm Fähnchen seinen Schriftzug sehen will, muss dä dafür löhnen. Un wenn dä Vertrag ausgelaufen is, übermale ich dat Fähnchen wieder”.

“Und es hat sich noch niemand gemeldet?”

Bär. “Doch, aber kein Speiseeishersteller. Sondern die Deutsche Post. Die wollen ja jetzt überall ihre Postfilialen schließen un da han die bei mir angefragt:Herr Bär, können Se en däm Eisbüdchen nit auch Briefmarken verkaufen? Ävver dat han ich abgelehnt. Nachher kommen alle Postkunden zu mir und beschweren sich, dat dä Briefträger wieder unpünktlich war oder die Briefe verschusselt hat. Darunter würde dat Bild leiden. Deswegen lasse ich dat Fähnchen lieber leer.”

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Bild des Monats

Sonntag, 22. Juni 2008 10:00

“Herr Bär, Sie haben einen Fluss mit niedrigem Wasserstand gemalt?”

Bär: “Jojo, bei däm niedrigen Wasserstand braucht man eigentlich die Brücke janit. Da kannste einfach so mit hochgekrempelten Hosenbeinen durch dat Wasser waten.”

“Und wieso hat man die Brücke trotzdem gebaut?”

Bär: “Et könnt ja auch mal Hochwasser kommen. Man weiß et ja nit.”

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Ausgabe Nr. 66

Sonntag, 15. Juni 2008 9:59

Bericht aus Braunschweig Wo findet man den Slogan „Ein Reicher ist niemals zufrieden, aber ein Zufriedener ist immer reich“? Etwa in goldenen Lettern als Portalinschrift des Schweizerischen Bankvereins? Mitnichten! In einem Infokasten neben dem Haupteingang des Braunschweiger Doms! Hm, hm, nun ja, aber was soll ausgerechnet dieser Plakattext bei den innere Einkehr und Buße Suchenden bewirken, so fragte sich Herr Bär etwas ratlos und kam nach einigem Nachdenken dann doch noch zu einer schlüssigen Antwort: Reichliche Spenden in den Opferstock natürlich. „Modernes Kirchenmarketing“ nennt man das heute.

Manchmal recyclen sie fürs Kirchenmarketing auch Werbesprüche, die der Schweizerische Bankverein vorher rigoros abgelehnt hat, weil irgendeiner dieser cleveren und knallwachen „Gnome von Zürich“, wie man die Bosse des Schweizerischen Bankvereins umgangssprachlich auch nennt, in der Vorstandssitzung den Daumen konsequent nach unten senkte: „Meine Herrli Vorstandskollegeli, ich bitte Sie! Mit einer paradoxen Aussage für Bankgeschäftli zu werben war vor dreißig Jährli mal gang und gäbe, aber in unseren Tagen ist das weder kreativ noch originell!“

Wie wahr, wie wahr, abgesehen mal von dem komischen Deutsch, dass sie in der Schweiz zu sprechen pflegen. „Steuerflüchtli“ hört sich ja irgendwie putziger an als „Steuerflucht“, weswegen „die Reichen“ (BILD-Zeitung) oder „die Reicheli“ (Neue Zürcher Zeitung) sich in ihrer Unzufriedenheit in der auch ansonsten putzigen Schweiz höchst willkommen fühlen, nicht aber im Braunschweiger Dom, wo man ihre heuschreckenhafte Gier und Unzufriedenheit in einem Infokasten neben dem Hauptportal mit Bibelzitaten geißelt.
Bis Braunschweig hat sich allerdings noch nicht herumgesprochen, welch harsches Urteil man im wachen Vorstand des Schweizerischen Bankvereins über paradoxe Wortspiele in der Werbung zu fällen pflegt, denn dort in Niedersachsen residiert ein unbeholfener Werbedepp, der jüngst den Auftrag erhielt, für das berufliche Wirken eines Grundstücksmaklers mit einem zündenden Slogan Reklame zu machen. Und was fiel diesem schnarchigen tumben Werbeheini dazu ein? Ein Paradoxon! Nämlich die Zeile: „Wir bewegen Immobilien“.

Oh heilige Einfalt! Das darf doch nicht wahr sein! Als Herr Bär den Einwand wagte, das sei doch eine glatte Lüge, denn der Wortbedeutung nach seien Immobilien ja unbeweglich, was wohl jeder wisse, da sagte der sumpfeulenhafte Werbedepp triumphierend: „Stimmt! Das ist eine offensichtliche Lüge!“ Aber sie träfe sehr wohl den Nagel auf den Kopf, denn nirgendwo sonst werde doch so viel beschönigt, verschleiert, gelogen und betrogen wie ausgerechnet in der Immobilienbranche. Da werde z.B. in einer Annonce eine völlig baufällige und zugelärmte Bruchbude in der Einflugschneise des Flughafens schon mal als „Liebhaberresidenz für Hobby-Handwerker, mit günstiger Verkehrsanbindung ans internationale Luftverkehrsnetz“ ausgewiesen und eine dunkle Erdgeschosswohnung als „schattig“ und „in lebhafter Umgebung“ gelegen gepriesen, wenn es sich um eine Adresse an einer sechsspurigen und ebenfalls recht lauten Schnellstraße handelt. So könne man mit einer Lüge durchaus auch die Wahrheit verkünden. Das sei paradox und in dieser Paradoxität kreativ und originell, was seine Kunden in Braunschweig sehr wohl zu schätzen wüssten, nur eben die „Gnome von Zürich“ nicht.

Manchmal wird die Wahrheit allerdings auch aus geografischer Unkenntnis etwas gedehnt. Liegt Marokko in Europa? Eigentlich nicht, für den Besitzer eines mediterranen Imbiss-Grills auf dem Kölner Alter Markt allerdings fälschlicherweise schon. Der gute Mann bietet nämlich als „Menü“ zur derzeitigen Fußball-Europameisterschaft in der Schweiz und in Österreich in seinem Etablissement auf dem Kölner Alter Markt nicht etwa Käse-Fondue und Kaiserschmarrn an wie die meisten anderen Gastronomen in seiner Nachbarschaft, sondern – halten Sie sich fest! – ausgerechnet ein „Marokkanisches EU-Menü mit pikanter Merguez-Wurst“. Spielt die marrokanische Nationalmannschaft eigentlich bei der EM mit? Mitnichten! War also hier etwa auch der unbeholfene Braunschweiger Werbedepp am Werk? Ist es wirklich kreativ und originell, bei einer Fußball-EM im Alpenland ausgerechnet ein „marokkanisches EM-Menü“ auf die Karte zu setzen? Was sagen eigentlich die knallwachen „Gnome von Zürich“ dazu? Das hätte Herr Bär wirklich zu gerne gewusst, aber nun ja, das Bankgeheimnis, das Bankgeheimnis…

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Bild des Monats

Sonntag, 1. Juni 2008 9:53

“Herr Bär Sie haben eine verschwundene Prinzessin gemalt?”

Bär: “Enä, keine verschwundene, sondern eine verwunschene. Die ist verwunschen, aber nit verschwunden. Dat sieht man doch!”

“Hm, hm, nicht unbedingt, Herr Bär, was ist denn nun das Verwunschene an der Prinzessin?”

Bär: “Dat erklärt gerade auf dem Bild der eine Mann dem anderen. Der sagt: Loor ens, do kütt die verwunschene Prinzessin. Pass bloß op, dat dich die Prinzessin nit küsst, sonst siehst du hinterher aus wie ‘ne Frosch!”

“Aber Herr Bär, das ist doch genau umgekehrt! Die Prinzessin küsst einen Frosch, und der verwandelt sich in einen Prinzen!”

Bär: “Jo? Also, ich han direkt dat Jefühl jehabt, dat mit dem Bild irgendwat nit stimmt!”

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