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1. Oktober 2007

Das Schwafeln über Kultur und Kunst ist zu einem beliebten gesellschaftlichen Phänomen geworden. Kaum ein anderer Bereich lässt sich offenbar ganz locker fast von jedem, der eine gewisse Mindestanforderung an Schul- und sonstiger Ausbildung genossen hat, bewältigen; so meinen zumindest diejenigen, die dies auch praktizieren.

Die Bundeskanzlerin, jene zu Fleisch gewordene Marienstatue deutscher Provenienz, ließ es sich vor zwei Jahren anläßlich ihrer ersten Regierungserklärung der Großen Koalition nicht nehmen, der staunenden Öffentlichkeit mitzuteilen, dass “Kulturförderung für die Bundesregierung keine Subvention, sondern eine Investition in ein lebenswertes Deutschland ist”.

Innerhalb der Kultur-Schwafel-Rangliste hat sich Frau Merkel, die “Engelsgleiche”, mit einem ihr nicht unbedingt zugetrauten Schwung an die Spitze katapultiert. Dabei sieht sie sich selbst sogar als einen “Kultur-Profi”, denn die ehemalige Sekretärin für “Agitation und Propaganda”bei der FDJ betrachtet sich in der Rückschau als eine “Kulturfunktionärin” - eine verständliche Verharmlosung, ein kleines Valium für die eigene Seele und die der anderen.

Eine Subventionspolitik als Investitionspolitik zu verkaufen, das kann nur jenen gelingen, die Agitation und Propaganda entweder aus dem “FF” oder der “FDJ” beherrschen.

Wer zum Beispiel bestimmte, ausgewählte Kultur-Publikationen subventioniert - andere hingegen nicht -, der investiert wohl kaum in die Zukunft, sondern beschädigt - ganz im Sinne eines staatskapitalistischen Denkens - den freien Wettbewerb innerhalb einer freien und sozialen Marktwirtschaft.

Ein “lebenswertes Deutschland” erfahren so eher nur jene, die in den Segen des staatlich gelenkten Geldregens gelangen, während deren Markt-Konkurrenten mehr damit beschäftigt sind, das “Überleben” in Deutschland zu trainieren.

Es passt auch in diese Begriffsverwirrungsagitation, wenn die gegenwärtige Familienministerin für ihre Politik entsprechende Propagandafilme und ebensolche Zeitungsartikel herstellen lässt, die sie kostenlos an die Redaktionen zur Veröffentlichung verteilt und damit auch das Überleben der freien Journalisten in diesem Deutschland “wertvoller” - im Sinne von “belastender” werden lässt.

Der Spendenskandal, aus dem die Kanzlerin karrieremäßig als Profiteurin hervorgegangen ist, vermag erhellend darüber Auskunft zu geben, wie man in Unionskreisen Subvention und Investition, Original und Fälschung definiert. Das Befördern von Straftaten und die Verdunkelung derselben durch ein in richtig verstandener Ganovenehre versprochenes “Ehrenwort” setzt sich in diesen Tagen zum Beispiel in einer Ausstellung weiter fort, die der CDU-Mann und Wirtschaftsminister des Landes Schleswig-Holstein, Austermann, subventioniert oder besser noch: in die er investiert. Diese Ausstellung zeigt Fälscher-Werke des rechtskräftig verurteilten Kunstfälschers Mrugalla. Die Mrugulla-Ausstellung im Wirtschaftsministerium des nördlichsten Bundeslandes steht bezeichnenderweise auch noch unter dem Subtitel “Mehr Kunst. Mehr Wirtschaft”, ohne zu reflektieren, dass damit der Kunstbegriff und auch der Künstlerberuf verhöhnt wird. Statt in den Schutz des geistigen Eigentums zu investieren - was eine durchaus lohnenswerte Kulturförderung wäre, um ein “lebenswerteres Land” Wirklichkeit werden zu lassen -, werden hier von Staats wegen Diebe und Fälscher subventioniert.

Und ganz aktuell verbrähmt die ehemalige “Kulturfunktionärin” und jetzige Bundeskanzlerin die Eröffnung des Arp-Museums in Remagen mit ihrem Erscheinen. Übrigens: ein Museum, in welchem mehr Arp-Fälschungen und Kopien als Arp-Originale zu bewundern sein sollen.

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