Wenn das Alter eine Grenze ist: Der Unsinn von Altersbegrenzungen bei Kunstpreisen

20. Oktober 2017

Der Künstler Tilmann Krieg regte in einem Leserbrief die Diskussion über den Sinn von Altersbegrenzungen bei Kunstwettbewerben an und hat damit den Finger auf eine offene Wunde gelegt. Dass Kunst in vielen Wettbewerben lediglich von Künstlern bis 30 oder 45 Jahren sinnvoll zu fördern sei, ist tatsächlich meist nicht nachvollziehbar. Kunst ist nicht altersabhängig und „junge Kunst“ kann durchaus von älteren Künstlerinnen und Künstlern geschaffen
werden. Sicher, wer pro Altersbegrenzung votiert, kommt schnell mit dem Argument der Nachwuchsförderung, die durchaus notwendig ist. Aber würde sich in solchen Fällen nicht anbieten, dem entsprechenden Wettbewerb einen altersbegrenzten „Förderpreis“ bei zu geben, jedoch den Hauptpreis altersunabhängig zu gestalten? Eher ist zu vermuten, dass man bei solch einer Definition der jungen Kunst den Markt im Blick hat, statt dass man
den Nachwuchs mit einer Altersgrenze fördern wollte. Es lohnt sich eher für Galeristen und Kunstsammler, junge vielversprechende Künstlerinnen und Künstler ausfindig zu machen und zu fördern und billig zu erwerben, weil man deren Werke über einen sehr viel längeren (Lebens-)Zeitraum vermarkten kann; das sind nun mal die Gesetze des Marktes. Wer mit 40 oder gar im Alter von 50 Jahren versucht, eine Galerie zu finden, die sich für ihn einsetzt
und ausstellt, weiss, wovon die Rede ist. Galerien suchen den Nachwuchs, nicht das Mittelalter, um über eine lange Zeitspanne die Vermarktung zu betreiben. So gesehen sollte nicht nur über die Nachwuchsförderung nachgedacht werden, sondern sehr viel eher über die Kunstförderung im allgemeinen. Bei der Förderung von Kunst sollte das Alter nun wirklich keine Rolle spielen, sondern sehr viel eher das, was Kunst der Gesellschaft gibt, was Kunst den Menschen geben kann. Man denke nur an Beuys oder Louise Bourgeois, die beide erst in fortgeschrittenem Alter von der Kunstwelt entsprechende Aufmerksamkeit erfahren haben. Diese beiden Beispiele beweisen, wie wenig das tatsächliche Lebensalter darüber aussagt, wie jung, wie förderungswürdig Kunst ist. Um es nochmals deutlich zu sagen: bei der Förderung geht es um die Kunst, die ist zu fördern, wenn sie sich dafür als würdig erweist. Wer den Nachwuchs fördern möchte, der kann dies mit speziellen Programmen unternehmen, wie dies das Deutsch-französche Jugendwerk beweist. So sei den Verantwortlichen zu raten, nicht auf das Alter der Künstlerinnen und Künstler zu schauen, sondern auf die
Kunst selbst, die im Mittelpunkt der Betrachtung zu stehen hat.

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